Undank als Antwort

Am Morgen nach „Berlin“

Die Kanzlerin ist traurig, „erschüttert“. Ihr fehlt das Verständnis. Solches Handeln wie das eines Flüchtlings, dem man aus Nächstenliebe Schutz bot und der dann zum Exekutor seiner uns fremdartig erscheinenden religiösen Überzeugungen wurde, statt seinem Gott für den Schutz im Lande der Ungläubigen zu danken, paßt nicht in ihr humanes, christliches, in Teilen wohl auch aufgeklärtes Weltbild. Von Anfang an ist sie im Schutze dieses Weltbildes, von dem sie ihr Mantra „Wir schaffen das“ bezog, an die Flüchtlingsfrage herangegangen, die ja auch eine Frage nach dem Islam ist. Sie hat den Islam wie die meisten ihrer Mitarbeiter im politischen Geschäft nie verstanden und ihn für einen etwas schlichteren Cousin des Christentums gehalten. Sie würde, selbst Anhängerin einer monotheistischen Religion, empört ein Bild zurückweisen, wonach der Islam eine Art Virus sei in den Köpfen der Gläubigen, der ab und zu als manifester Wahn ausbreche, wenn gewisse Erfahrungen, Erleuchtungen, Bedrohungsgefühle sich zu einem Muster formierten, das in den berühmtem Schwertversen des Koran dann Handlungsanleitungen fände, wie mit ungläubigen Schweinefleischfressern umzugehen sei -„und erschlagt sie, wo immer ihr auf sie stoßt“ (Sure 2, 191). Eine Weltreligion als Krankheit zu interpretieren, bedeutet eine solchen Tabubruch, daß die Cousins Judentum und Christentum angesichts solcher Anfeindungen sich immer schützend vor den Beklagten stellen. Ihr gemeinsamer Feind ist der Säkularismus. Ihre Horrorvorstellung eine erwachsene Menschheit ohne göttlichen Vater, ohne Jenseits und im Besitz eines Bewußtseins von dem einen Leben, das sinnvoll und selbstverantwortlich zu gestalten wäre.

Naved B. aus Belutschistan, der den Truck steuerte, ist kein „Mörder“, wie Merkel zum wiederholten Mal insinuierte. Er ist ein Krieger für seinen Gott.  Als ordinärer Mörder wäre er durchaus mit unserer Gesellschaft kompatibel, sogar letztlich integrierbar. Als Dschihadist ist er das nicht. Ihn kann auch ein Denken nicht „integrierbar“ machen, das viele westliche Menschenfreunde in ihrer Willkommenskultur repräsentieren. Sie glauben vielfach selbst nicht, weder an Christus noch an Allah, halten aber das Glauben an sich für eine gute Sache, etwa für die „einfachen Menschen“. Sie glauben gewissermaßen an den Glauben, wie es der Philosoph Daniel Dennett einmal ausdrückte. Auch sie gehören, selbst als Atheisten, zu jener Fraktion des Gutmenschentums, die sich kürzlich mit hypermoralischer Begrifflichkeit dagegen wehrte, daß abgelehnte, z.T. wie Naved B. straffällig gewordene Asylbewerber nach Afghanistan abgeschoben werden sollten. Dort drohe ihnen das Ungemach, das sie hier, muß man leider hinzufügen, immer wieder mal hervorrufen: im Zweifel der Tod. Das Töten wird von Taliban und IS quasi als religiöses Alltagsritual wie das Fasten und Beten praktiziert. Belutschistan, woher Naved B. offenbar kommt, ist Taliban-Land. Wer einmal das Halsabschneide-Ritual etwa des IS im Netz verfolgen konnte, wird sich des Eindrucks, es handle sich um einen streng instrumentierten sakralen, ja heiligen Akt, nicht erwehren können. Menschen werden wie Lämmer geopfert, geschlachtet zum Ruhme Allahs, der unentwegt angerufen wird, während die Messer von Blut triefen. Aber eine „Weltreligion“ ist ganz selbstverständlich sakrosankt, besonders was ihre Riten betrifft. Für Naved B. war seine Fahrt sicher so etwas wie ein heiliger Akt zum Ruhme Gottes, und wir können sicher sein, daß er unentwegt „Allahu Akbar“ (Gott ist groß) in die Schreckenslaute um ihn herum geschrien hat, während seine Tötungs-Maschine alles niederwalzte.

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