Die Exkremente des Teufels

Ein Gespenst geht um – in der ganzen Welt. Das Gespenst des Populismus. Die Mutter des Populismus, sagt man, ist die Globalisierung. Die Globalisierung wiederum, heißt es, ist das Kind des Kapitalismus. Dieser generiert den Reichtum, von dem einst die kommunistisch/sozialistische Internationale zwar zu träumen wagte, wobei sie aber de facto über die Produktion von Trabis, Sputniks und Tschernobyl-Ruinen nicht hinauskam. Statt dessen schuf diese traurige Internationale ein ökonomisches Desaster und eine humane Katastrophe. Die schlimmste Folge dieses historischen Versagens ist aber die „Alternativlosigkeit“ eben dieses Kapitalismus, der zwar Reichtum schafft und akkumuliert, aber nicht halbwegs gerecht zu verteilen in der Lage ist. Er fließt systembedingt dort hin, wo er schon ist. Das Sprichwort von den Exkrementen des Teufels beschreibt den Tatbestand so drastisch wie präzise.

Und dann kam Trump, der Rächer der Enterbten, Ausgebeuteten und im Rost ihres Belts Vergessenen. Er kam wie Alexander der Große und gab vor, den kapitalistisch-globalistisch verfilzten Knoten zerschlagen zu können. Sein Kriegsruf „Kapitalismus in einem Land!“ klang in den Overfly-States wie „Das Reich Gottes ist nah!“. So wurde aus dem angekündigten Erlöser der reale Triumphator. Eine Auferstehung des vielfach von den Medien Totgesagten ohne vorherige Kreuzigung. Zur Rechten des Gottes Mammon sitzend, wußte er sein Glück zunächst gar nicht zu fassen. Wir in Europa und an Amerikas Küsten können es auch nicht fassen.

Wer Amerika groß machen will, indem er den Kapitalismus in einem Land predigt, hat bewiesen, daß er das System, das ihn zum Milliardär machte, zwar genial für sich instrumentalisiert, aber eigentlich nicht verstanden hat. Brauchte er auch nicht. Die meisten Politiker und Ökonomen haben es nicht verstanden. Sie hätten schon Karl Marx lesen müssen, statt ihn für hoffnungslos veraltet zu erklären. Der hatte die Globalisierung als quasi naturwüchsige Zukunftsform des Kapitalismus nämlich vorhergesagt. Nur hatte er sich dummerweise darauf versteift, dieses globale Gebilde könne auf welche Weise auch immer in die Hände menschenfreundlicher verantwortungsbewußter Lenker übergeben werden, die dann zum Segen aller die Reichtümer gerecht verteilen würden.

Ein leises Echo dieser frommem Utopie klingt in manchen Verlautbarungen der Linkspartei an, wenn sie, die Kaltherzigkeit des Systems geißelnd, von „sozialer Gerechtigkeit“ fast so schön wie irgendein Mitglied der urchristlichen Gemeinde predigt. Jene aber, die die Predigt hören und verstehen sollten, wollten weder von Marx noch von seinen Nachfolgern etwas wissen, sondern sie vertrauten einer clownesken Kreatur des Kapitalismus in seiner extremsten Gestalt. Das andere Sprichwort, das von den Kälbern, kann man nicht ausblenden, auch wenn man nicht schadenfroh sein will. Kein politisch korrekter Zeigefinger, der mahnend auf die Souveränität des Demos hinweist und den Kälber-Vergleich als menschenverachtend zurückweist, sollte aber vergessen, daß solche Rindviecher schon vor hundert und vor 75 Jahren und auch früher immer wieder die Schlächter herbeigemuht haben. Das Bild ist alles andere als falsch, wenn auch böse.

Wir finden, wenn wir das Jahr 2016 vorbeiziehen lassen, kein anderes Bild als das von den Kälbern und den Schlächtern. Die Domplatte allerdings, wo das Jahr anfing, paßt nicht zu diesem Bild. Dort bewies der Staat, daß es einen überdimensionalen, universellen Versager geben kann, der das Recht auf Selbstjustiz mit dem Hinweis auf seine Schutzfunktion zurückweist, um jetzt einzugestehen, daß. seine Scham ob dieses Versagens nicht groß genug sein kann.

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