Trump und das Katholische

Das vielleicht größte Kopfzerbrechen nach der Trump-Wahl und der Suche nach den Motiven der triumphierenden Trumpisten  bereitet den immer noch konsternierten Nacharbeitern die Frage: Warum wählen Frauen im 21. Jahrhundert in einem Land der Demokratie und Aufklärung ein MALE CHAUVINIST PIG, ein sexistisches weißes männliches Schwein, zum Verwalter und Gestalter ihrer und ihrer Kinder zukünftigen Welt?

Im SPIEGEL etwa fragt sich ein professioneller Nachdenker mit sofort hinterhergeschobenen Relativierungen, ob nicht die bekannte Tatsache, daß es Frauen gibt, die es an der Seite von Männern aushalten, die sie mißhandeln, einen Hinweis darauf enthalte, daß seine weiblichen Fans in Trump den Mann erkannt hätten, mit dem sie als Ehemann oder Freund vertraut seien. Nach dem Motto: Nur keine Experimente mit dem überkandidelten Weib aus der Washingtoner Schickeria! Nachgeschoben wird aber sofort, das könne nicht sein, weil man eine solch große Gruppe, die Millionen Trump-Wählerinnen, nicht pathologisieren dürfe als quasi sich selbst hassende Frauenhaus-Bedürftige. Warum man das nicht darf, steht dahin. Man könnte ja auch argumentieren, die langen Jahrtausende patriarchalischer Unterdrückung und Entmündigung habe viele Frauen zu der tief genetisch verankerten Einsicht gebracht, daß die Welt gottgewollt eben a man’s world ist. Und deshalb gehöre die Frau Hillary nicht auf den Thron, den zu besteigen sie sich angemaßt hatte. Sondern en Mann, the Donald, der alle Eigenschaften der Männer, die frau so kennt, machtvoll in sich vereinigt wie ein griechischer Obergott, dem auch keine Pussy entgehen konnte.

Welches Denk-Tabu blockiert eigentlich jetzt noch die Assoziation, daß die Millionen katholische Christinnen, die sich von ihrer Kirche seit 2000 Jahren diskriminieren lassen, dieser Kirche nicht den Rücken kehren oder wenigstens eine Revolte inszenieren, eine Art Reformation der Frauen? Das war ihnen ehemals nicht möglich, aber heute könnten sie es – und tun es nur in verschwindend geringem Umgang. Noch nicht einmal die massenhaften sexistischen und pädophilen Übergriffe von Klerikern änderten daran viel. Daß Frauen nicht Priester, gar Papst werden können, sei nun mal Tradition, hört man gern als „Argument“. Und das Heils-Angebot, das ihnen, den Minderwertigen, den Penislosen die Kirche ja mache,  obwohl Eva ja den Tod in die Welt gebracht habe, die immerhin bestehende Aussicht auf Erlösung, lasse selbst das bisweilen mörderische Treiben der Kirchenmänner (Hexenverfolgungen u.a.) in dieser Welt als vernachlässigungswert erscheinen, liege es doch weit zurück.

Die Frauen, die ihn wählten, erkennen Trump als männlich geborenen quasi natürlichen Herrn der Welt an.  Wenn ihm danach ist, darf der Mann über sie, die natürlich geborenen Sklavinnen, verfügen. So sieht das auch der Koran. Auf eine „Sklavenmoral“ führte eine Züricher Zeitung das Wahlverhalten der Trumpistinnen zurück. Nur wissen diese Sklavinnen nicht, daß sie solche sind, und die Männer, denen sie täglich begegnen und die sie heiraten oder zu Vätern ihrer Kinder erwählen, wählen einen wie Trump aus dem natürliche Instinkt heraus, einer da oben müsse große Eier haben. Kein Widerspruch von weiblicher Seite. Don’t be a pussy!

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Eine Antwort zu Trump und das Katholische

  1. Said schreibt:

    Lieber Herr Dreyzack,

    mit Verlaub, aber ich halte es für ein philosophisches Luftschloss, dass die viel zitierten Frauen einen wie Trump wählen, weil sie die männliche Dominanz über die Geschichte hinweg genetisch verankert haben. Andersherum wird ein Schuh draus! Dominanz, die genetisch bedingt über die Jahrtausende fest in männlicher Hand war, war schon immer die essentielle Grundlage, um eine Gemeinschaft überlebensfähig zu machen. Fakt ist, dass sich das durch die Ausbreitung des zunehmend liberalen Kapitalismus nicht geändert hat!
    Die Menschen (m/w) haben Trump gewählt weil:
    1. Narzissmus ist in Mode, gefördert durch soziale Netzwerke, die primär als Selbstdarstellungsplattformen fungieren.
    2. Unfair siegt. Heute steht der finanzielle Erfolg über allem. China, Russland oder Indien spielen im globalen Kapitalismus kein faires Spiel. Die Amerikaner waren über lange Jahrzehnte der Innovationsmotor der Menschheit. Die anderen kopieren es über Nacht und produzieren es billiger, weil sie keine Entwicklungskosten haben (Lohndumping etc. kommt noch dazu). Als Amerikaner hätte ich irgendwann auch die Schnauze voll und würde mir wünschen, die eigene Regierung würde international andere Töne anschlagen und das eigene Land an erste Stelle der Interessen legen.
    3. Autokraten haben Erfolg. Das amerikanische Volk hat von politischen Debatten genug gesehen. Das 2-Parteien-System hat in den letzten Jahrzehnten konsequent für politischen Stillstand gesorgt, da sich Republikaner und Demokraten vehement gegenseitig blockiert haben. Die Annexion der Krim durch Putin ist kein schönes, aber ein gutes Beispiel für das, was in einer gelenkten Demokratie alles möglich wird, da es keine internen Reibungen gibt.
    4. Ehrlichkeit ist wichtiger als Diplomatie. Der Begriff „politischer Zirkus“ sagt einiges über das Schauspiel, das Politiker aufführen, um dem Demos zu suggerieren, alles gehe seinen gerechten Gang und die Probleme seien im Griff, aus. Die unzähligen Skandale, die Finanzkrisen und die katastrophalen Einfallskriege haben der Öffentlichkeit gezeigt, dass dem absolut nicht so ist. Viele wirtschaften sich in die eigene Tasche, Posten werden grundsätzlich in Hinterzimmern an die eigene Riege verteilt. Ist Trump ehrlich? Absolut. Lediglich seine Stimmung schwankt. Postfaktizismus, wie ihn Trump erfunden hat, ist keine beliebige Lüge laut rausgebrüllt, sondern vermittelt das eigene Gefühl ohne den Filter eines Realitätschecks.

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