Feminismus-Dämmerung?

Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre erfanden kämpferische Feministinnen, die manche auch als Männer-Hasserinnen qualifizierten, einen Ausdruck, der mit dem Phänomen Trump eine Renaissance erleben könnte: WHITE CHAUVINIST PIG. Damals, in den Jahren der Revolte, gab es niemand, dem das WCP-Profil annähernd so perfekt entsprach wie fast ein halbes Jahrhundert später dem neuen Führer der westlichen Welt. Der Fortschritt ist eben keine Schnecke, sondern ein Krebs. Tief in den Menschen, auch den weiblichen, so scheint es, stecken Bedürfnisse nach Identifikation mit dem Starken, dem Sieger, und meist ist es ein Mann. Dann ist sogar diese Identifikation, die Unterwerfung, erotisch konnotiert.

In einem Kommentar zu der Tatsache, daß 53 Prozent aller weißen Amerikanerinnen Trump wählten, war in einer renommierten Schweizer Zeitung (ZÜRCHER TAGESANZEIGER) von „Sklavenmoral“ die Rede. Die Autorin der Artikels vermutet andererseits einen weiblichen Selbsthaß, dem jüdischen, könnte man ergänzen, vergleichbar, der auf Hillary Clinton projiziert wurde. Alles was Männer in der Politik auszeichnet – Ehrgeiz, Machthunger, starkes Ego – gilt vielen, auch vielen Frauen bei Geschlechtsgenossinnen als anstößig weil unweiblich. In Deutschland ist es Ursula von der Leyen („Flinten-Uschi“), die ähnlich unbeliebt ist wie ihre amerikanische Leidensschwester. Von an sich intellektuell durchaus zurechnungsfähigen Personen hört man Statements wie diese: „Wenn ich nur diese Stimme höre…“ Dagegen ist kein argumentatives Kraut gewachsen. Man stelle sich irgendeine Bewerberin vor in irgendeinem Wahlkampf, die sich ähnlich obszön und intellektuell bedürftig produzierte, wie es Donald Trump tat…!

Es fanden sich in der Trump-Kampagne Slogans wie „Don’t be a pussy – vote for Trump“ oder „Trump 2016: finally someone with balls“. Die Vorstellung, daß die Welt nach Angela Merkel und Theresa May noch weiblicher werden könnte, versetzt offenbar nicht nur Männer in Panik. Daß andererseits dort, wo viele junge Männer auf Sinnsuche sind und ihre Testosterone nicht im Griff haben, am häufigsten Konflikte, auch Kriege entstehen, ist eine These mit hohem Plausibilitätsgrad (sog. Youth-Bulge-Theorie). Trump steht wie selten ein wichtiger Politiker der letzten Jahrzehnte im Verein mit Putin oder Erdogan für aggressive narzißtische Männlichkeit. Daß eine solche, daß also besonders dicke „balls“ Frauen anhaltend faszinieren, mag ein Menschheits-Erbe aus bronzezeitlichen Überlebenskämpfen sein. Im nuklearen Zeitalter steht aber die Spezies insgesamt  auf dem Spiel. Der „Straight White Male“, der weiße Hetero-Man, kämpft gerade in den USA seinen vermeintlich letzten Kampf, bevor schwule farbige Horden, unterstützt von kreischenden Feministinnen, dem amerikanischen Traum ein Ende machen. „Make America White Again“ ist die eigentliche Essenz von Trumps Wahlslogan. Dabei wollen die weißen Frauen, wie sie es bekanntlich schon bei der Eroberung des Wilden Westens taten, mit der Flinte in der Hand an der Seite ihrer Männer stehen. Sie hassen ihre feministischen Stiefschwestern als Verräterinnen an ihrem Blut, an ihrer Rasse.

Rassismus und Sexismus – dies sind Lehren aus den Ereignissen um den 9. November – sind im Grundwasser der westlichen, nicht nur der amerikanischen, Gesellschaftem wie giftige Nitrate unter der deutschen Erde viel verbreiteter, als die schöne aufgeklärte Oberflächenlandschaft es suggerieren möchte. Dort, wo Trump und seine Trumpisten hinwollen, in die 50er und 60er Jahre, sind anscheinend große Teile der amerikanischen Gesellschaft wie in einer Art Winterschlaf immer geblieben, maskiert als Zeitgenossen – bis der Erwecker kam und seine mächtigen Balls als Siegesglocken klingen ließ..

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