Der Untergang der Schwarm-Intelligenz

In der Türkei klettert der Bürgerkrieg gerade aus dem Gitterbettchen. In den USA liegt er noch in den Windeln, aber das kann sich schnell ändern – wenn Trump die Wahl verliert. Dann werden die Republikaner den „Totalen Krieg“ erklären, schreibt die WASHINGTON POST. Wer die Geschichte der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts überblickt, könnte zu dem Schluß kommen: Seit „Kuba 1961“ war die Lage nie so gefährlich. Die Demokratie des One-man-one-vote ist dabei, sich selbst zu massakrieren. Wenn die Canaille den Roten Knopf drücken darf, kann man ruhig alle Hoffnung fahren lassen. Aus der vermeintlichen Schwarmintelligenz, der unabdingbaren Voraussetzung aller Demokratie, ist der Schwarm-Irrsinn geworden. Nicht der „große Lümmel“, wie Heinrich Heine das „Volk“ nannte, droht die Macht an sich zu reißen, sondern ein Bewohner der Anstalt, versehen mit der Legitimation dieses Lümmels. Ihm fühlt sich die Hälfte der Amerikaner nah, wenn nicht verwandt. Solche Sympathisanten des Wahns wohnen auch in Rußland, in den islamischen Ländern, als Mehrheiten sogar, aber hier, in den USA, konzentriert sich die größte, die zerstörerischste Macht vielleicht bald – unter der Fingerkuppe eines Idioten. Ein solcher, das kann man von Putin wenigsten sagen, ist dieser nicht.

Wir haben offenbar, was sich auch aus der Medienanalyse, das Phänomen Trump betreffend, ergibt, eins nicht begriffen: daß es sich bei ihm um eine „systemische Deformation“ handelt. Der Mann selbst ist als Person und Politiker so uninteressant wie jeder andere erfolgreiche Nutznießer des Systems, dessen Opfer paradoxerweise die Trump-Sympathisanten geworden sind. Sie wählen seit je wie jene sprichwörtlichen Kälber ihre Schlächter selber, die sie ausgrenzen und ärmer machen, weil sie ihnen notorisch den Reichtum als Weihnachtsgeschenk versprechen. Irgendwann begreifen die zu kurz Gekommenen wie die frühen Christen das Ausbleiben der Wiederkunft des Herrn den Betrug – und werden, anders als diese, wütend. Es gibt Schwarze, Frauen und Latinos, die Trump wählen. Man sah Plakate mit der Aufschrift „Blacks for Trump“. Als hätte man im 18. Jahrhundert an den Küsten Afrikas für „Kreuzfahrten  ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ geworben.

Trump ist der alles überstrahlende Repräsentant des „Postfaktizismus“. Der deutsche Außenminister hält diese jegliche faktische Objektivität leugnende Tendenz gegenwärtiger  Politik für tödlich. Vielleicht wird er ihr sehr bald ins Augen sehen und ihrer unerträglichen Rabulistik lauschen müssen. Der Große Bruder, die tödliche Waffe, die bisher nur eine quasi symbolische Rolle spielte, als reale im Kalkül – wie soll er ihm gegenübertreten? Die Scheibenwischergeste vor der Stirn dürfte ausgeschlossen sein. Die Erinnerung an den „Haßprediger Trump“, von dem Steinmeier sprach,  ließe sich diplomatisch kaum nachträglich vernebeln. Europäische Politik mit dem Großen Bruder, der bisher allen existentiellen Schutz gewährleistete, wäre am Ende. Es sei denn, wir unterwürfen uns sich ihm bedingungslos. Dies aber können die „aufgeklärten und streitbaren Demokraten“, die Steinmeier zufolge für Demokratien unverzichtbar sind, nicht leisten.

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