Phallischer Heilsplan

Es gibt eine Obszönität des Fragens. Es gibt nämlich Fragen, die den, der zur Antwort genötigt wird, zwingen, sich zu entblößen. Der Frager solcher Fragen weiß, daß es keine Antwort gibt, die die Scham des Befragten nicht aufdeckt – und dennoch fragt er. Er fragt etwa den Papst, warum es auch künftig keine Frauenordination geben wird. Der Papst müßte zugeben, daß zwar vor Gott alle Menschen gleich sind, daß aber für die katholische Kirche der Besitz eines Penis das Entscheidende, der Unterschied ums Ganze ist. Auf den komme es  nämlich an. Er allein versetze einen Menschen in den Stand, die Lehre Christi in dessen Sinn glaubwürdig zu verkünden. Weil: Jesus habe einen besessen. Von den Aposteln ist gleiches anzunehmen. Und außerdem habe man immer den Phallus für das Symbol gehalten, mit dem auch Gottvater selbst ausgestattet sei. Im berühmten Gemälde Michelangelos in der Sixtina, das die Erschaffung Adams zeige, trage Gott deshalb ein wehendes Hemd, um seinen göttlichen Phallus zu verbergen. So seien die Christen nun mal. Stolz auf ihre Männlichkeit und verklemmt zugleich. Der Vorgänger Gottvaters, Zeus, habe natürlich nichts dagegen gehabt, seine Mannespracht unverhüllt darzubieten. Die Griechen waren nämlich anfangs keine Christen.

Papst Franziskus, der nicht daran denkt, die Frauenordination einzuführen und der sich dabei auf die Tradition und auch auf den Heiligen Johannes Paul II, seinen Vorgänger, beruft, nimmt natürlich den „Penis“ nicht in den Mund. Er spricht nur von der „Männlichkeit“ Jesu und der Apostel. Was aber ist die „Männlichkeit“? Ist sie eine überlegene Rasse? Ausdruck einer dominanten Position in einer Hierarchie des gottähnlichen Menschen? Bedeutet sie also größere Nähe zu Gott? Oder ist sie ein anatomischer bzw. biologischer Unterschied? Wenn Letzteres: Warum ist sie überhaupt der Rede wert? Der Ausschluß der Penislosen vom kirchlichen Lehramt, heißt es in bewundernswerter Gewundenheit, stehe nicht im Widerspruch zum Heilsplan Gottes. Wie bitte? Der Heilsplan Gottes hat irgendwie irgendwas mit Geschlechtsteilen zu tun? Ein Gott, den man ernstnehmen könnte, müßte sich ob solcher Konstruktionen des katholischen Geistes unentwegt den Bart raufen und an seinen Geschöpfen zum wiederholten Mal verzweifeln.

Da steht er nun, der nackte Papst, mit seiner Männlichkeit, und jegliche Logik, auf die sie doch seit Thomas von Aquin so stolz sind, ist dahin. Es sei denn, man bekennte sich unumwunden zum Patriarchat, zur Geschichte, wie sie in Genesis zwei erzählt wird, daß der Mensch eigentlich der Mann ist und die Frau nachgeordnet ein Rippenteil von ihm. Dann hätte man die Logik wieder, mit der aber in der heutigen Welt kein Staat zu machen wäre. Aber man hätte weiterhin einen Verbündeten: den Islam. Beide, Christen und Muslime, sind nämlich gleichermaßen vom Sex besessen und messen deshalb dem Geschlechtsunterschied eine existentielle Funktion zu. Der Phallus weist den Weg zum Heil. Diese Formel verbirgt sich in der Antwort des angeblichen Reformpapstes, der von der Herrschaft des Patriarchats auch in Zukunft nicht lassen will und kann.

Die Konsequenzen, die sich daraus für selbstbewußte moderne Frauen ergeben müßten, liegen auf den Hand…

 

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