Trump, Hillary und Hegel

Wer sich halbwegs mit Hegels Dialektik auskennt wie das Enfant terrible der Philosophieszene, Slavoj Zizek (jüngst in der ZEIT), kann, wenn er kunstvoll einen entscheidenden Faktor ausblendet,  aus dem möglichen größten anzunehmenden Unfall der jüngeren Geschichte seit 1945, der Wahl nämlich eines enthirnten obszönen Plebejers zum mächtigsten Mann der Welt, einen zweitgrößten Unfall machen. Den würden wir alle in der Restwelt dann mit etwas Glück überleben. Denn Trump, was Zizek vielleicht überlesen hat, würde die Atomwaffen seines Landes nur gegen die Feinde Amerikas (etwa den IS) einsetzen . Hillary dagegen, die gefährlichste Kriegstreiberin der Gegenwart, dazu machtbesessen und korrupt, wäre mit ihrem Establishment-konformen Weiterso mittelfristig so etwas wie ein gesteigerter George W. Bush. Davor bewahre uns Gott! Sie ist die Wallstreet-Hure. Trump ist ein Selfmade-Milliardär, ein Verächter der Wallstreet, quasi ein Mann des Volkes. Allerdings war er nie Tellerwäscher, aber die Leute trauen ihm zu, daß er einer von ihnen ist – den Beleidigten und Erniedrigten. Es soll schwarze weibliche Slumbewohner geben, die ihn wählen wollen. Oder Frauen, die davon ausgehen, daß er gerade ihnen nicht in den Schritt greift, wenn er an der Macht ist. Und dann ist es ihnen egal, welche Sprüche er raushaut. „Ich bin ja nicht seine Ehefrau“, sagte eine

Zizek sieht in Trump das Opfer einer „linksliberalen Dämonisierung“. Diesen Dämonisierern schmeichle die Clinton-Clique, ohne dabei das Gerechtigkeits-Thema, das von Bernie Sanders hochgehalten worden war, im Blick zu behalten. Nach solcher Logik ist Hillary die eiskalte, empathielose Kapitalistin, Trump der aus dem Ruder gelaufene aber letztlich einfangbare (keine Sorge!) Milliardärs-Prolet, der die Dinge geradeheraus benennt. „Was ist noch abstoßender als Trump?“ fragt der Philosoph. Seine Verehrer nicken resigniert angesichts der Antwort: „Der wirtschaftshörige und aggressive Konsens, für den Hillary Clinton steht.“ Es ist zum Verzweifeln! Bisher war nämlich noch nie ein US-Präsident „aggressiv“ und „wirtschaftshörig“. Alle zeigten sich skeptisch gegenüber dem Raubtier-Kapitalismus, für den die Wallstreet steht, und hätten ihn am liebsten abgeschafft, hätten sie nur gekonnt. Auch gehört es sich nicht für eine Frau, die Präsidentin werden will, „machtgeil“ zu sein. Und sie ist auch – dreimal pfui!!! – die erste die lügt. Die Lügen der republikanischen Bush-Kohorte im Fall Irak hatten sogar so kurze Beine, da sich keiner mehr an sie erinnert. Und für Trump gar ist der Unterschied zwischen Lüge und Wahrheit völlig irrelevant. Er lügt, und seine Follower kümmert’s nicht, weil es nur auf das Gefühl ankommt, das mit den Sprüchen erzeugt wird. „Postfaktizismus“ heißt das neuerdings.

Nein – die Ursache für den Philosophen-Haß auf die Clintons liegt woanders, und Zizek deutet es auch an mit kritischem Verweis auf Madeleine Albright, die „feministische“ Clinton-Unterstützerin. Zizek teilt offenbar, nachdem den Amerikanern schon ein schwarzer Präsident zugemutet worden war, deren fundamentale Bedenken gegen einen weiblichen Präsidenten. Hier treffen sie sich mit den gehaßten Muslimen, denen Allah nachgerade verboten hat, eine Frau mit verantwortungsvollen Ämtern zu betrauen. Die Patriarchen aller Länder haben einen gemeinsamen Feind, den sie heute, gemeinsam mit dem Papst und der AfD, „Genderismus“ nennen. Die „natürliche Ordnung“ bzw. Hierarchie der Geschlechter, in allen Heiligen Schriften festgeschrieben, muß sich gegen diesen modernen Wahn zur Wehr setzen, um den Untergang der gesamten Kultur zu verhindern.

Es ist die amerikanische Publizistin Cynthia Davidson die auch gegenüber der ZEIT die Sache auf den Punkt bringt: „Sie wählen Trump, weil sie Hillary verhindern wollen. Sie wollen nicht, daß dieses Land von einer Frau angeführt wird. Das ist ein sehr wichtiger Aspekt, den die Menschen gerne übersehen.“ Man muß hinzufügen: Auch die meisten Medien, die den Menschen doch die Welt erklären wollen, übersehen ihn gerne.

 

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Eine Antwort zu Trump, Hillary und Hegel

  1. Schwanz oder nicht Schwanz schreibt:

    Die Sache ist ganz einfach: Jeder sollte sich HRC mal als Mann vorstellen. Dann wären sofort alle Fragen beantwortet. Trump hat nur deshalb noch gute 40% Zustimmung WEIL HRC eine Frau ist.
    Und das ist das eigentliche Problem.

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