Kein Zwang im Glauben

Es sei kein Zwang im Glauben (Sure2, 256)

Der Deutsch-Ägypter Hamed Abdel-Samad hat sich als aufgeklärter Humanist einen Namen als Islamkritiker gemacht. Als Muslim geboren, muß er aber Muslim bleiben. Kehrt er seiner Religion den Rücken, muß er sterben.  Wer immer versucht, den Islam von immanenter Gewalt freizusprechen und sich dabei auf obigen Vers beruft, hat ihn nicht verstanden. Er betrifft nur Nicht-Muslime, die nicht gewaltsam bekehrt werden dürfen. Eine Parallele bietet sich an: Wer nach 1949, dem Gründungsjahr der DDR, in der DDR geboren wurde, gehörte der dortigen „sozialistischen Volksgemeinschaft“ an und konnte sie nach dem Mauerbau 1961 nur verlassen, wenn er sein Leben aufs Spiel setzte.

Wie der Sozialismus der UdSSR und ihrer Satelliten ist der Islam, wenn auch nicht ein Territorium im politisch-geographischen Sinn, so doch ein sozusagen spirituelles Territorium, um das eine Grenze mit Stacheldraht und Minenfeldern gezogen ist aus Koransuren, Hadithen und den diversen Fatwas. Wer dort geboren wurde oder als Konvertit, indem er das knappe Glaubensbekenntnis sprach, hineinging, kommt nicht heraus, ohne sein Leben zu riskieren. Wie der real existiert habende Sozialismus ist der Islam ein totalitäres oder, wie Abdel-Samad sagt, „faschistisches“ System mit einem göttlichen Diktator an der Spitze. Ihm sich bedingungslos zu unterwerfen, wie man sich Hitler oder Stalin unterwerfen mußte, ist oberste Pflicht der Muslime. Ein durchaus ähnliches spirituelles Gefängnis war das mittelalterliche Christentum, das seine Häretiker mit unchristlichster Grausamkeit verfolgte, von den „Heiden“ Afrikas und der Neuen Welt ganz zu schweigen. Die Vettern im Geiste Abrahams haben sich gegenseitig nichts vorzuwerfen.

Abdel-Samad „genießt“ seit drei Jahren Personenschutz. Er ist wie die Abtrünnigen Ayaan Hirsi Ali und Salman Rushdie (um nur die Prominentesten zu nennen) offenkundig ein Dorn im Auge des „Erbarmers“, wie sich Allah gern nennen läßt. So lebt es sich ohne Zwang zum Glauben: verborgen und voller Angst vor dem Mörder, dessen Mission von seinem Glauben gedeckt ist. Ein Kopfgeld darf er auch erwarten. Im Falle Rushdie wurde es jüngst erhöht. Dafür sammelte man Spenden in den Moscheen.

Welcher Vergehen hat sich Abdel-Samad in seinem neuen Buch „Der Koran. Botschaft der Liebe. Botschaft des Hasses“ schuldig gemacht? Er hält den Koran für einen sehr irdischen Text, für einen Spiegel menschlicher Befindlichkeiten und Defizite. Solange er in Mekka noch schwach war, habe Mohammed Toleranz, Nächstenliebe und Vergebung verkündet. In Medina dagegen, wo der Prophet Politiker und Kriegsherr zugleich war, wurde der Krieg verherrlicht und Haß gegen Ungläubige, Juden und Christen zu einer heiligen Mission erhoben. Aus Krieg wurde Gottesdienst. Unter der Prämisse – so Abdel-Samad – daß es Gott selbst sei, der keine Fragen dulde und keinen Zweifel zulasse, konnte sich keine Kultur des kritischen Denkens entwickeln. Das werde sich erst ändern, wenn die Koransuren nicht mehr als heilige, von Gott gegebene Texte betrachtet würden sondern – wäre hinzuzufügen – sich einer historisch-kritischen Lesart  unterzögen.

Abdel-Samads Mohammed-Fazit: „Jemand, der von Kriegen gelebt hatte, der Frauen als Kriegsbeute mißbraucht, auf seine Freunde verteilt hatte, der Kinderehen eingegangen war, viele Frauen gleichzeitig geheiratet hatte, der laut seiner offiziellen Biografie Hunderte Juden an einem Tag enthauptete – so jemand kann kein Vorbild für die Menschen des 21. Jahrhunderts sein.“

Wer so denkt und schreibt, darf sich des Hasses aller, die an den „Erbarmer“ glauben, sicher sein.

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