Das Paradies der Mörder

Gehorsam ist alles. Wenn der „Herr“ (Gott, JHWH, Allah) befiehlt zu morden, dann mußt du morden. Dies scheint für viele Anhänger der abrahamitischen Religionen die Essenz zu sein des Mythos von Abraham, dem von Gott befohlen wird, seinen Sohn zu schlachten. Daß Abraham zu gehorchen bereit ist, wurde stets als Tugend und Ausdruck vorbildlicher Gottesfurcht ausgelegt.

Ein modernes Zeugnis der Überzeugung von der frommen Rechtmäßigkeit des Gehorsams, wie sie von Abraham überliefert wird , ist das testamentartige Schriftstück, das der Mastermind jener Gruppe hinterließ, die den größten Terroranschlag aller Zeiten am 11. September 2001 vollbrachte. Mohammed Atta schrieb in den „Handlungsanweisungen für die letzte Nacht“:

„Jedermann haßt den Tod und fürchtet den Tod. Aber nur Gläubige, die das Leben nach dem Tod kennen, gehören zu denen, die den Tod suchen werden. Führt euch vor Augen, daß ihr in dieser letzten Nacht vielen Herausforderungen begegnen werdet. Aber ihr müßt diesen Herausforderungen begegnen. Gehorcht Gott und seinem Propheten und kämpft nicht untereinander, wenn ihr schwach werdet. Fahrt fort, die Nacht über zu beten. Hört nicht auf, den Koran zu zitieren. Reinigt euer Herz und macht es frei von allem Irdischen. Die Zeit der Heiterkeit und der Verschwendung ist vorbei. die Zeit des Gerichts ist gekommen. Ihr müßt überzeugt sein, daß die wenigen Stunden, die euch in eurem Leben noch bleiben, nur wenig bedeuten. Dann wird das glückliche Leben beginnen, das unendliche Paradies. Seid optimistisch. Der Prophet war immer optimistisch.“

Kann es einen eindrucksvolleren Beleg geben dafür, daß wir es hier nicht mit „Verbrechern“, „Mördern“, „Irrsinnigen“ kurz: Repräsentanten des Bösen zu tun haben? Atta und seinen Genossen abzusprechen, daß sie fromme Muslime waren, entbehrt jeder Grundlage. Denn von welcher Basis aus sollte solch ein Urteil sinnvoll sein? Wer maßt sich das Recht an, einen „wahren“ von einem „falschen“ Islam zu unterscheiden? Das „Leben nach dem Tod“ gehört zu den Essentials der Monotheisten. Es vollzieht sich für die, die es verdienen, im „Paradies“. Auf den Rest wartet die Hölle, die im Koran besonders feurig und höllisch heiß ausgemalt wird. Atta ist überzeugt, daß er und seine Freunde das Paradies verdient haben. Anders wären sie nicht zu ihrer Tat zu motivieren gewesen. Das koranische Paradies ist eine Mischung aus Schlaraffenland und luxuriösem Bordell (Sure 2, 25 u.a.). Der Koran legt zudem nahe, für das irdische Leben nur Verachtung übrig zu haben (Sure 3, 185 u.a.). Mohammed Atta verlangt dies auch von seinen Freunden. Gegen das Urteil, der Islam sei eine Religion des Todes, hätten sie keine Einwände.

Interessant am Schriftstück Attas ist aber auch die Parallele zur Nacht von Getsemani. Man könnte von einem Plagiat sprechen und als Christ von einer ungeheuerlichen Anmaßung. Auch Jesus ermahnt seine Jünger, zu wachen und zu beten (Matthäus 26, 36ff), verspricht einem der Schächer, „morgen“ mit ihm ins Paradies zu gelangen (Lukas  23,43) und sagt : „Die Stunde ist gekommen.“ Atta erklärt: „Die Zeit des Gerichts ist gekommen.“ Er bringt sein Opfer, wie er glaubt, für die gläubige Menschheit, indem er dazu beiträgt, den Satan Amerika zu vernichten. Er gehorcht, wie er glaubt, seinem Propheten und stirbt als Märtyrer, nicht als Selbstmörder, geschweige denn als Mörder. Selbstmord verbietet der Islam wie auch seine Vettern-Religionen.

Die Abhängigkeit der spätesten der monotheistischen Religionen von ihren Vorgängern zeigt sich bis in die Gegenwart. Vom Paradies- resp. Jenseitsgedanken inspiriert entwickelte sich eine  gemeinsame Kultur der Diesseitsverachtung. Wie sagte schon Jesus: „Wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten“ (Markus 8,35). Selbsternannte Märtyrer aller Couleur könnten sich darauf berufen. Das „gerettete“ Leben ist natürlich das im Paradies. Die mit diesem Gedanken einhergehende Diesseitsverachtung oder zumindest -Geringschätzung ist die Voraussetzung dessen, was wir in jüngster Zeit als „Terrorismus“ erlebt haben, was aber in den Augen der Nachfolger Mohammed Attas ein von Allah beglaubigtes Martyrium ist. Die von uns Westlern als Massen-Mörder Qualifizierten befinden sich nach dem Glauben derer, für die Atta und die Seinen ein Held ist, schon jetzt im Paradies.

 

 

 

 

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