Patriarchat und/oder Monotheismus

Es gibt nur einen einzigen mächtigen Hebel der Zivilisation: die Religion (Bachofen)

Beliebt ist in Auseinandersetzungen über den Einfluß der Religion auf Gesellschaften die Argumentationsfigur, verantwortlich für bestimmte fragwürdige Praktiken etwa des Islam oder auch der katholischen Kirche sei nicht eigentlich die Religion, sondern die „Kultur“. Speziell im Hinblick auf gewisse Gegenden des Orients heißt es dann, für die Frauenverachtung resp. -unterdrückung sei nicht der Islam, sondern das „Patriarchat“ zuständig. Auch nach „Köln“ versuchten einige westliche Feministinnen den Islam von „Schuld“ freizusprechen und das wie ein Joker einsetzbare „Patriarchat“ verantwortlich zu machen in dem Sinne, daß im Patriarchat alle Männer potentielle Vergewaltiger sind. Oder so: alle Männer sind Nordafrikaner. So sieht es übrigens auch der Islam und „schützt“ die Frauen, indem er sie unsichtbar macht. 

Der Gott des Alten Testaments, Jahwe (JHWH), wurde nach Maßgabe altorientalischer Königsvorstellungen (Assur, Babylon, Perser) gebildet. Er ist der Souverän, der gnädig oder hart, gerecht oder willkürlich erscheinen mag, aber als bestimmende Macht beschrieben wird. Der Gott des Neuen Testaments, mit dem Jesus als mit „Abba“ (Väterchen) spricht, sowie Allah, der den Erzengel losschickt, um Mohammed zu unterrichten, sind Jahwes Klone – zwar mit einigen Kopierfehlern, aber im ganzen sehr ähnlich.  An der Gebetshaltung der Muslime kann man heute noch das Urbild „Gottes“ als altorientalischer Herrscher, vor dem sich alle niederwerfen mußten, erkennen. Heute erscheint der Islam im Kontext seiner Vettern-Religionen als klarste, unverblümteste quasi nackte Gestalt eines Patriarchats, das viele Jahrhunderte älter ist als er selbst und bis heute mehr oder weniger modifiziert weltweit überlebt..

Wenn nun eine Autorin wie Kristin Helberg („Verzerrte Sichtweisen – Syrer bei uns“) mit der oben beschriebenen Argumentationsfigur versucht, Verständnis für die Syrer jenseits ihres Bekenntnisses zu Allah und dem Propheten zu wecken, indem sie etwa meint, „daß die Syrer aus einer patriarchalischen Gesellschaft kommen, das hat aber weniger mit Religion zu tun“, dann erkennen wir allzu deutlich, daß hier Pegida und anderen Islamophobikern der Wind aus den Segeln genommen werden soll. Die Syrer seien nämlich genau so religions-indifferent wie wir. „Wenn sie etwa sagen ‚Ja so ist das bei uns im Islam‘ und man fragt, wo das eigentlich steht, dann wissen sie das auch nicht so genau.“ Klassisches und auch von anderen Muslim-Verstehern vielfach verbreitetes Fazit Helbergs: „Also haben wir es mit einer patriarchalischen Gesellschaf zu tun, unabhängig von der Religion. Wir neigen dazu, mit Bezug auf den Islam, die Religion zu überschätzen.“

Die Filmemacherin Carmen Butta drehte einen Film („Die heimliche Revolution“) in Saudi Arabien. Darin geht es um die Frauen dort, die nach eigenem Zeugnis  unter der Vormundschaft der Männer (Ehemann, Vater, Bruder, eigener Sohn) leiden, die sie rechtlich auf den Stand von Kindern reduzieren. „Es gibt“, erzählt Butta, „eklatante Beispiele von Frauen, die vom eigenen Sohn die Genehmigung zum Verreisen brauchen. Darunter leiden sie sehr, und sie leiden sehr unter der Geschlechtertrennung . Sie leiden auch darunter, daß sie so eigeschränkt sind und sich mit fremden Männern auf der Straße nicht zeigen dürfen.“ Eine Klage, die Butta immer hörte, auch mit Blick auf die Verschleierung: „Ich muß mich fügen.“

Wer sich auskennt mit der Rolle der Frau im klassischen Athen der Perikles-Zeit, wird viele Parallelen finden. Das griechische Patriarchat des fünften vorchristlichen Jahrhunderts ist dem gegenwärtigen von Kabul und Riad durchaus ähnlich. Hier wäre es legitimer, die Religion freizusprechen, aber sie hat in den strengen Auslegungen des Islam das Patriarchat sozusagen gekapert, um zu verhindern, daß seine bronzezeitliche Urgestalt aufgeweicht wird – gegen die Interessen der Männer. Das saudische Patriarchat wappnet sich mit den religiös-ideologischen Waffen des Wahhabismus und erzeugte, in einer Verbindung mit dem Königshaus, jene Form von modernem islamischen Fundamentalismus, der als politischer Islam große Teile der Welt bedroht. Diese Gefahr wird von Beobachtern wie Kristin Helberg und vielen Anhängern der Willkommenskultur geleugnet. Nachdem die Europäer mühsam die gröbsten Verunstaltungen der Menschen-Frauen-Gestalt beseitigt haben und wir uns immer noch mit Restbeständen herumschlagen, droht ein Backlash, dem entgegenzutreten religiöse Toleranz nicht bereit zu sein scheint, weil sie den Islam für eine Religion wie alle anderen hält..

   

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