Nora will zurück ins Puppenheim

In dem Stück „Nora oder Ein Puppenheim“ von Henrik Ibsen aus dem Jahr 1879 emanzipiert sich eine junge Frau von ihrem Mann, der sie wie ein Kind behandelt und behütet hat, und von ihrer Familie. Das Stück versetzte damals das Publikum in helle Aufregung. Es kritisierte ein System paternalistischer Übergriffigkeit, das es den bürgerlichen Frauen nicht erlaubte, dem behüteten Kinder-Dasein ganz zu entwachsen und zu selbstbestimmten mündigen Personen zu werden.

Die 32-jährige Schweizerin Nora Illi konvertierte mit 18 zum Islam Sie ist im islamischen Zentralrat der Schweiz für Frauenangelegenheiten zuständig, trägt seit 14 Jahren den Niqab und sagte in einem Zeitungsinterview (RHEINISCHE POST) erstaunliche Dinge, die nach Interpretation verlangen. Es sind die  Konvertitinnen, von denen wir viel lernen können über das Innenleben der Muslime, weil sie ja einen Weg zurücklegen, aus Distanz Nähe machen und nicht schon immer nahe bei Allah waren – in der einzig wahren Religion, die am Ende das Paradies verspricht und die zu diesem Versprechen als einzige befugt ist. Auf den ungläubigen Rest der Menschheit wartet dagegen die Hölle. Die wollte sich Nora Illi ersparen und konvertierte.

Den Niqab trägt sie „aus Ehrerbietung vor Allah, weil Allah im Koran empfiehlt, sich zu verschleiern“. Wir wundern uns, daß Allah etwas „empfiehlt“, nicht klar vorschreibt und schlagen nach. In Sure 33 Vers 59 werden wir fündig: „O Prophet, spricht zu deinen Gattinnen und deinen Töchtern und den Weibern der Gläubigen, daß sie sich in ihren Überwurf verhüllen. So werden sie eher erkannt (als anständige Frauen) und werden nicht verletzt.“ In Sure 24 Vers 31 heiß es: „Sie sollen ihre Blicke niederschlagen und ihre Scham hüten und nicht ihre Reize zur Schau tragen.“ Von hier zur Vollverschleierung geht zwar kein gerader Weg, zumal ein Senken des Blicks unter dem Gesichtsschleier nicht wahrgenommen werden kann, aber interessant ist die „weltliche“ Begründung Noras für ihre Verschleierung: „Frauen sehnen sich nach Anerkennung von Männern und senden Signale aus, die sie nicht so meinen, die mißverstanden werden können. Der Niqab ermöglicht uns, selbst zu bestimmen, wer unsere Schönheit sehen darf. Ich möchte nicht, daß ein Mann sieht, daß ich aus Schüchternheit lächle, wenn er zu mir sagt ‚Sie haben schöne Augen‘. Dann denkt er, mir gefällt, was er sagt.“

Ein Dokument der Verwirrung und Zerrissenheit, ja der personalen Dissoziation. Psychoanalytiker würden von einer dissoziativen Identitätsstörung sprechen. Nora (vor dem Schleier) sehnt sich nach „Anerkennung“, nach erotischer Bestätigung. Sie sendet entsprechende „Signale“ aus, wie sie es als europäisch sozialisiertes Mädchen gelernt hat, aber sie will diese nicht erotisch verstanden wissen. Oder doch? Sie teilt sich in ein erotisches und ein frommes Ich.  Ihr Lächeln signalisiert Freude über die Wahrnehmung ihrer Schönheit, über das männliche Kompliment, aber sie fürchtet sich davor, daß ein Mann ihr Begehren als solches deutet. „Ich  möchte mich nicht auf eine solche Ebene mit einem Mann begeben. Denn vielleicht macht er noch mehr Komplimente und möchte mit mir ausgehen.“ Sie darf, um Allah nicht zu mißfallen, nicht die sein, die sie so gern sein möchte: eine normale Frau. Dramatisch zugespitzt kann man sagen: Die Höllenangst zerreißt sie. Sie akzeptiert die Geschlechternormen des Islam, die alles vereinfachen: Männer sind Triebwesen (ohne sich dessen schämen zu müssen) und brauchen mehrere Ehefrauen, um nicht außer Haus fremdgehen zu müssen, wenn eine der Ehefrauen mal unpäßlich ist. Dadurch, erklärt Nora, werden Scheidungen verhindert. Daß ein europäisch sozialisiertes Mädchen diese Erniedrigung seines Geschlechts nicht als solche begreift, macht fassungslos.  Ein Ich, das zum Selbst werden möchte und in einer Religion, einem Gott Halt und Richtung sucht, macht sich selbst zum Nicht-Ich, zum Nicht-Subjekt, zum Objekt männlicher Triebhaftigkeit – um diesem Gott, der ihr Geschlecht selbst für minderwertig erklärt hat, zu gefallen. .

Nora hinter dem Schleier verschwindet, weil sie, anders als ihre Namenschwester aus dem 19. Jahrhundert, als Subjekt zu existieren sich nicht mehr traut. Sie stirbt freiwillig einen sozialen Tod, den Tod, den Allah und sein Prophet und alle Patriarchen, die ihm folgten, den Frauen verordnen. Mit einem ungeheuren Maß an Zynismus behaupten sie, die Frauen sollten vor der bösen Welt geschützt werden. Dabei repräsentieren sie als Männer dieses Böse. Es wird entgegen allen Behauptungen von Allahs Weisheit und Barmherzigkeit zum Inbegriff des Islam.

 

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