Verspäteter Fund (Maria Magdalena)

Es brauchte 2000 Jahre, bis ein Archäologe des Glaubens, der sich Franziskus nennt, im Schutt der Kirchengeschichte auf eine Figur stieß, weiblich und den Gläubigen bekannt als „Sünderin“ (also, immerhin reuige, Hure), die sich, befreit von üblen Nachreden und gynophoben Schmierereien, plötzlich als die weibliche Ergänzung des Stifters erweisen könnte. Auf der Website von RADIO VATIKAN lesen wir die wahrhaft revolutionäre Schlagzeile: „Maria Magdalena wird den Aposteln gleichgestellt.“ Daß dieser Satz heute noch umstürzlerisch erscheint, wirft ein grelles Licht auf die Geschichte der christlichen Frauenverachtung und -unterdrückung, die mit dem Frauenbild des Stifters wenig gemein hat, ja eigentlich Verrat an ihm ist..

Auf die schlichte Frage, warum Frauen in der katholischen Kirche nicht Priester werden dürften, bekam der Frager immer nur den in vielfacher Hinsicht sinnlosen Satz zu hören: Weil die Jünger Männer waren. Dieser Satz allein beweist die beschämende Hilflosigkeit der kirchlichen Instanzen, den Mangel jener Vernunft und Logik, die etwa von Benedikt XVI so gern in Anspruch genommen wurde. Die Antwort macht nämlich nur Sinn, wenn die Minderwertigkeit des Weiblichen schon vorausgesetzt ist. Bei Gleichwertigkeit sollte der Geschlechterunterschied, der der Zeugung von Nachkommen und nicht der Glaubensfähigkeit dient, keine Rolle spielen. Die kirchliche Tradition hatte schlicht ihren Ursprung im Patriarchat der Vorzeit vergessen und nie reflektiert, ja sie war eins mit dem Patriarchat. Bis heute. Sie begriff nicht, daß sie mit diesem Frauenbild nichts ist als die Rechtfertigungs-Ideologie eben dieser Phallokratie. Wie es scheint, hat ihr der Heilige Geist, auf den sie sich bei Verlautbarungen aller Art gern beruft, wie zum Schabernack lauter blinde Flecken verabreicht.

Nun also die große Kehre? RADIO VATIKAN  macht eine Anleihe beim Mond-Astronauten Armstrong, wenn formuliert wird: „Ein kleiner Schritt aufwärts im ‚Who is who‘ der Heiligen, aber ein großer Schritt für die Wertschätzung der Rolle von Frauen in der Kirche.“ Und es wird  noch erstaunlicher: Im Schreiben der Gottesdienstkongregation heißt es, „diese Frau (Maria Magdalena) sei das entscheidende ‚missing link‘ zwischen der Karfreitags-Bestürzung und dem Osterjubel“. Sie ist also in gewisser Weise der Ursprung des „.Osterjubels“, des Urknalls des Christentums.

Damit nicht genug: Erzbischof Arthur Roche, Sekretär der Liturgiekongregation, sieht in der Gartenszene (Johannes 20, 11ff) eine Parallele zum Garten Eden. Maria aus Magdala rückt in dieser Perspektive in den Rang einer neuen Eva. Üblicherweise wird dieser Vergleich zur Stammmutter Eva eher mit Maria aus Nazareth angestellt. Die aber hatte immerhin  über ihren Sohn gemutmaßt, er sei „von Sinnen“ (Markus 3,21), was der anderen Maria, nach einigen Zeugnissen der Nag Hamadi-Überlieferung Jesu privilegierte Gesprächspartnerin (Thomasevangelium, Logion 14), nicht passiert wäre. Sie ist eine Jüngerin sui generis, die ihn nicht verleugnete wie der Parade-Apostel Petrus, sondern ihn offenbar besser verstand als die Männer, die eifersüchtig auf sie waren – eine beschämende Tradition bis in unsere Tage.

Mit dem Dekret „Apostola Apostolorum“ vom 3. Juni hat der Papst nun entschieden, Maria Magdalena – zumindest was den Rang ihres Gedenkens im Heiligenkalender betrifft – den Aposteln gleichzustellen.

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