Der fremde Leib

Wenn man „Köln“ als singuläres Ereignis verstünde, würde man dennoch, nach Afrika, in den Nahen Osten und nach Indien blickend, nicht übersehen können, daß gegenwärtig eine Art Krieg zwischen den Geschlechtern herrscht. In den Heiligen Schriften und frommen Überlieferungen spielt das Geschlecht, das Verhältnis der Geschlechter eine zentrale Rolle. Die Überlieferungen stammen aus der Antike und aus der Spätantike (Islam), und dort wäre zunächst nach den Wurzeln des Krieges zu suchen. Der Princeton-Professor Peter Brown schrieb in seinem Buch „Die Keuschheit der Engel“ über die spätantiken Männer, diesen sei „der weiblichen Körper der fremdeste von allen gewesen. Er war für sie so antithetisch wie die Wüste für das bewohnte Land“. Das Fremde besitzt in den Augen dessen, der es wahrnimmt, auch immer etwas Feindliches, Gefährliches. Die Feststellung Browns darf auch über die Spätantike hinaus als zutreffend verstanden werden, und es sind wiederum Männer, die ihren eigenen Körper bis heute vor allem als eine Art Maschine begreifen – Kriegsmachine oder Sexmaschine. Das Maschinenhafte schließt die Entfremdung ein wie die Gewalt.

Die Geschichte vom Sündenfall, wie sie im Buch Genesis erzählt wird und lange nicht als Mythos, sondern als eine Art Reportage über die Anfänge der Menschheit gelesen wurde, prägte für endlose Zeiten im christlichen Kulturraum das Schreckbild des Verderben bringenden Weibes. „Weißt du nicht, daß du Eva bist!“ herrscht der frühe Kirchenvater Tertullian (2/3 Jh.) die Frau an und donnert weiter:“Du bist die Tür des Teufels und hast den Mann, das Ebenbild Gottes, zerstört.“ Das saß – und sackte tief in die frommen Köpfe, so daß noch 1000 Jahre später die Teufelsbuhlerinnen als Hexen brennen durften. Die Frau als Handlangerin des Teufels konnte nur halbwegs wieder rehabilitiert werden, indem man eine neue Eva ausdachte. In Ephesos wurde folglich im Jahr 431 die kastrierte Alternative geschaffen, deren mütterliche Jungfräulichkeit auch Mohammed bewogen haben mag, sie in den Kreis seiner Plagiate aus dem Mythenschatz von Juden und Christen aufzunehmen. Jungfräulichkeit (Reinheit) gehört nun einmal zu den für Religionen und erst recht für den Islam unverzichtbaren Eigenschaften von Körpern, Speisen und Gedanken. Noch heute werden den Märtyrern des IS, wenn sie es denn ins Paradies geschafft haben, Jungfrauen zugeteilt.

Johannes Chrysostomos, der begabteste Redner seiner Zeit (Brown), fragte sich gegen Ende des 4. Jahrhunderts haareraufend: „Wie sollen wir nun dieses wilde Tier (den von den Weibern angestachelten Trieb) bändigen? Was sollen wir tun? Was für einen Zügel sollen wir ihm anlegen? Ich weiß keinen anderen als den der Hölle.“ Das Echo dieses verzweifelten Klagerufs hallt noch in Mozarts „Zauberflöte“ nach: „Hinab mit den Weibern zur Hölle!“ Aber die wäre bald überfüllt. Auch Mohammed, als ihm Einblick gewährt wurde, sah in der Hölle fast nur Frauen brutzeln. Außerdem braucht man sie, will man nicht Gottes Ebenbild, den Mann, aussterben lassen. Kompromisse wie Einsperren ins Haus, unsichtbar machen durch Verschleierung, Tötung als Neugeborene etc. hatten nur regionalen und zeitlich begrenzten Erfolg. Und wenn man, wie der heilige Augustinus, mit gerechtem Blick auf die eigene Spezies sah, erkannte man, daß es keinen Unterschied gab zwischen den Geschlechtern: „Der Mensch hat aus sich nichts anderes als Sünde und Lüge.“ Dieser so folgenreiche Augustinus, der anders als viele andere die Frauen und den Sex gut kannte, fand, wie Peter Brown meint, „ebensowenig wie einer seiner Zeitgenossen je einen Weg, die Möglichkeit zur Sprache zu bringen, daß sexuelle Lust an sich die Beziehungen zwischen Ehemann und Ehefrau bereichern könnte“.  Warum nur zwischen Ehemann und Ehefrau? Auch Browns Denken  sperrt den Sex automatisch ins Ehegehäuse, ganz als wäre er Muslim. Er vergißt zudem, daß Höllenfurcht und Heils-Ungewißheit die Menschen jener Zeit fest im Klammergriff hatten. Da konnte man nicht lustig drauflosvögeln.

Zu Ehren Mohammeds muß gesagt werden, daß auch sein erstes Menschenpaar aus dem Paradies vertrieben, aber nicht mit so etwas wie Erbsünde belastet wird. Der Grund ihrer Vertreibung bleibt unklar. Des Propheten Blick auf die Triebe, die er an sich ausführlich studieren konnte, brachten ihn zur Einsicht, daß Männer ein Recht auf sie haben, auf den Genuß und die sinnlichen Freuden und daß Frauen zu allererst geschaffen wurden, diese Triebe mit Hingabe zu befriedigen. So waren die Rollen klar verteilt. Man muß zugeben, daß es sich um eine übersichtlichere Ordnung handelt als die Gender-Unübersichtlichkeit in der westlichen Welt.

 

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