Den Islam ernstnehmen

Der Islam gehört zur Familie. Er ist Benjamin, wenn auch von Dreien, nicht von Zwölfen. Manche meinen, er stecke noch in der Pubertät, und man sollte ihm die 600 Jahre Zeit lassen, die er aufzuholen hätte, um so reif und vernünftig zu werden wie etwa der zweitjüngste der Brüder. Aber Benjamin Islam ist es leid, nicht ganz für voll genommen zu werden und dreht den Spieß um. Er ist als letzter und klügster Sohn von Gottvater/Allah dazu ausersehen, den Menschen die allerletzte und unüberbietbare Wahrheit zu bringen. Die ruht im Himmel in einem Buch, dem Ur-Koran, und wer daran nicht glaubt, kommt in die Höllle. Basta!

Die Anhänger der älteren Brüder und auch die, die der Familie den Rücken gekehrt haben, sollten den Selbstbehauptungswillen des Jünglings nicht unterschätzen, der dahin geht, die Brüder zu überflügeln und letztendlich aus der Familie auszuschließen. Lange genug hat ihn der Zweitälteste gedemütigt und erniedrigt. Jetzt erntet er die blutigen Früchte seiner Anmaßung. Die Zahl derer, die ihm glauben, schwindet. Kaum spielt er noch eine Rolle im Alltag. Lau ist die Zustimmung der vielen, die sich noch heuchlerisch zu ihm bekennen. Da sieht es bei Benjamins Gefolgschaft anders aus. Tausende sind bereit, für ihn in den Tod zu gehen. Millionen folgen seinen Geboten und Regeln Tag für Tag gewissenhaft. Die Behauptung, viele der frommen Taten der Märtyrer-Muslime hätten „mit dem Islam nichts zu tun“, widerspricht leider jener von den gleichen Experten immer wiederholten Feststellung, den Islam gebe es nicht. Wenn dem so ist, besteht kein Grund, den IS nicht für eine Fraktion des Islam zu halten. Auch die Greuel der Kopfabschneider, Vergewaltiger und Versklaver sind mit dem Islam zu vereinbaren, weil sie vom Koran oder der Sunna gerechtfertigt werden. Alles Auslegungssache. Auch das Verbrennen von Hexen als Teufelsbuhlen war mit dem Christentum vereinbar.

Man muß also den Islam der Muslimbrüder, der Wahhabiten, des Islamischen Staates und viele andere Spielarten etwa in Asien so ernst nehmen, daß der Satz, diese oder jene Variante sei kein „richtiger“ Islam, sinnlos wird. Wer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt und die fünf Säulen beachtet, ist und bleibt frommer Muslim – er mag so viele Köpfe abschneiden wie er will  oder als lebende Bombe in Konzerte oder Stadien gehen, um sich ins Paradies und Ungläubige in die Hölle zu befördern. Wenn andere Muslime befürchten, dies schade dem Ruf des Islam insgesamt und damit ihnen selbst, so sollten sie die Schuld nicht bei den Ungläubigen suchen, die die Untaten mit dem Islam in Verbindung bringen. Der Koran und das Vorbild Mohammed sind nicht vom gegenwärtig erlebten Terror zu trennen. Ohne die beiden gäbe es diesen nicht.

Eine andere Form des Ernstnehmens führt der hochgeachtete deutsche Schriftsteller Martin Mosebach immer wieder vor. Er widerspricht zwar der Weisheit der Pastorentochter, der Islam gehöre zu Deutschland, aber ihm ist, wie er im Gespräch mit Navid Kermani, dem deutschen Muslim mit iranischen Wurzeln, sagte, „ein gläubiger Muslim viel näher als ein Christ mit wegtheologisierter Religion“. Der Schriftsteller mit dem Büchnerpreis findet, im Westen werde „auf lächerliche Art und Weise das Bild eines mündigen Christen propagiert“. Vielmehr bewundert er die Demut vor Gott, die sich in der muslimischen Gebetshaltung ausdrücke. Auch spürt er „diese religiöse Kraft in den Menschen, die als Flüchtlinge in unser Land kommen“, wenn dies auch unser „phobisches Verhalten“ bestärke. Letztlich aber bezeichne das „Wort Islamophobie weniger eine Phobie gegenüber dem Islam, sondern gegenüber der Religion schlechthin“.

Mit dieser Bemerkung Mosebachs, der den Islam ernst nimmt und sich auch nicht vor einer islamischen Parallelgesellschaft fürchtet, fühlt sich der DREYZACK durchschaut und verstanden, der ja schon mehrfach die Parole ausgegeben hat: Werdet islamophob! Jetzt sind die Fronten klar. Dem Gläubigen sind alle recht, wenn sie nur glauben. Der eigentliche Feind, den keine Gnade je erreichen wird, ist nicht der IS-Kämpfer – er steht vielmehr als Ungläubiger am anderen Ufer. Von dort aus bedroht er die Welt.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s