Kopftuch-Islam schlägt Euro-Islam

Aus einer Zeitungs-Reportage über die Pro-Erdogan-Demo in Köln: „Von der Bühne ruft ein Redner: ‚Wir sind Deutschland.‘ Er wartet auf das Echo. Aber aus der Masse schallt ihm entgegen: ‚Allahu akbar'“.

Der syrisch-stämmige Politikwissenschaftler Bassam Tibi, der Erfinder des Konzepts „europäischer Islam“, wünscht sich, daß die in Europa lebenden Muslime europäische Bürger werden. „Euro-Islam“ heiße Bejahung der säkularen Demokratie, sagte er in einem Interview am Tag nach der Kölner Demo. In Köln hatte man eher den Eindruck, einem Kirchentag beizuwohnen, auch wenn der Islam keine „Kirche“ ist oder hat. Der dort und in der neuen Türkei Erdogans seine Stimme erhebende Islam will nicht, wie Tibi, daß das säkulare Recht des Staats über dem religiösen Recht steht.  „Allahu Akbar“ heißt nicht nur „Gott ist groß“, sondern auch: „Gott ist der Gesetzgeber“, der den Menschen die Scharia geschenkt hat. In der Diaspora, wo die Muslime in der Minderheit sind, verbirgt man vernünftigerweise das Endziel einer weltumspannenden, alle Menschen umfassenden „Umma“ (Gemeinschaft der Muslime), in der Christen oder Juden gerade noch geduldet sind. Ziel aber bleibt der globale Gottesstaat. Darin sind Judentum und Christentum überflüssig geworden, denn deren ursprünglicher, dann verfälschter Sinn ihrer Offenbarungen, werde im Koran bewahrt, der letzten und einzig wahren Verkündigung Gottes.

Tibi, der muslimische Europäer oder europäische Muslim, hat, wie er im CICERO-Interview sagte, kapituliert. Der „Kopftuch-Islam“ haben den „Euro-Islam“ schon besiegt. „Fünf bis zehn Prozent der deutschen Muslime, die ich beobachte, leben europäisch, auch als Bürger, deutsche Bürger,“ sagt er resigniert. Dafür verantwortlich seien vor allem die Islamverbände wie Zentralrat und Ditib. Aber auch die Bundesregierung habe kein sinnvolles Konzept, Islam und Muslime zu integrieren. Sie betet, wäre hinzuzufügen, unentwegt herunter, was sie gar nicht wissen kann, daß nämlich die große Mehrzahl der unter uns lebende Muslime mit vollem Herzen sich der säkularen Verfassung verpflichtet fühlen. Keiner von ihnen , den man befragte, würde aber öffentlich das Gegenteil behaupten. Auch der Mörder des Priesters in der Normandie bekannte anscheinend reuevoll gegenüber seiner Richterin, er werde jetzt nach Ausflügen ins Radikale den rechten demokratischen Mittel-Weg beschreiten. Auch ihm sah man offenbar nicht an, wie es da drinnen aussah. Die Erdogan bejubelnden und Allah den Größten heißenden Demonstranten wollen mehrheitlich die Theokratie als die einzige gottgefällige Ordnung, auch weil Erdogan, den sie „lieben“ (die Deutschen haben als letzten Politiker den „Führer“ geliebt), sie anstrebt.

Die deutsche Politik, die Kanzlerin an erster Stelle, legt die Ohren an, die sie vorher verstopft hatte, und hofft auf die Wahrheit des Spruchs, daß nicht sein kann, was nicht sein darf: daß nicht große Teile einer aufgeklärt-modernen Industriegesellschaft sich um 180 Grad drehen und mit leuchtenden Gesichtern dem Mittelalter entgegenschreiten. Nichts anderes als ein mittelalterliches Konzept von Ordnung, Herrschaft, Geschlecht, Wahrheit, Leben nach dem Tod aber ist der Islam. Das wissen nicht die, die ihn nicht kennen, aber kennen könnten. Wer irgendwann einmal sich herausreden wird mit „Das haben wir nicht gewußt“ oder „Das haben wir nicht gewollt“, denn wir wollten ja nur gute Menschen sein und helfen und keinen Glauben diskreditieren, wird sich sagen lassen müssen, daß wir heute alles über den Islam und die verschiedenen Fraktionen der Muslime wissen können und daß auch der IS durchaus zum Islam gehört. Der Islam ist weder kompliziert – das Christentum bzw. seine Theologie ist ihm gegenüber sehr komplex, und die meisten Konvertiten schätzen gerade die Einfachheit von Allahs Botschaft – noch so fremd wie einige asiatische Religionen. Er ist als abgespeckter, ja ausgedörrter Monotheismus, reinster Patriarchalismus, uns so nah wie  die Vettern und Basen unserer Familien, wo auch ein Vatergott verehrt wird. Der Islam kennt weder Erbsünde noch Erlösung. Nur Belohnung und Bestrafung, Paradies oder Hölle. Gleichzeitig schleppt er ein archaisch-atavistisches Erbe mit sich herum, vor allem Körperstrafen aller Art und eine große Totschlagbereitschaft sowie eine Frauenverachtung, die er täglich und überall als Verhüllung ausstellt. Das meiste hiervon unterscheidet ihn zwar nicht von den anderen Religionen der Vor-Aufklärung, aber gegenwärtig zumindest von den anderen beiden abrahamitischen Vettern, die viele Lektionen gelernt haben, wobei die Juden immer ein Stück voraus waren.

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