Die Würde der Bombe

„Kann eine Bombe Mensch sein?“ fragte jüngst in einem FAZ-Beitrag der renommierte jüdische Historiker Michael Wolffsohn. Es ging darum, das Phänomen der islamischen Suizid-Bomber, die sich selbst Märtyrer nennen und von ihren Glaubensgeschwistern als solche verehrt werden, zu erklären. Es ging dem Autor auch darum, zu verstehen, was diese Menschen von jüdischen und christlichen Märtyrern der Vergangenheit trennt. Unbestreitbar ist Wolfssohns These, daß die Muslime im Paradies die sinnlichen Freuden suchen, die ihnen auf Erden verweigert werden und daß sie vor allem möglichst viele Ungläubige und Feinde Allahs in den Tod reißen wollen. Dies geschieht, wenn man die „Schwertverse“ des Koran (9,5; 2,191; 4,89) entsprechend interpretiert, durchaus in Übereinstimmung mit der Heiligen Schrift. Allerdings gibt es die selbstmörderische Inflation, die traditionelle Abwehrmaßnahmen quasi wirkungslos macht, erst seit 1983 (Beirut) mit der Klimax 2001 (9/11). Sie ist Produkt und Erscheinungsform des modernen politischen Islam., der geradezu das anscheinend wertlose Leben seiner Anhänger als Waffe benutzt.

Wenn Wolffsohn feststellt, jüdische und christliche Märtyrer hätten sich etwa in der Antike für ihren Glauben geopfert, ohne ihr Opfer mit der Tötung anderer zu verbinden, verweist er wohl auf den entscheidenden Unterschied. Der Islam ist nicht nur eine Religion des Todes – das ist das Christentum auch, wenn man die Hochschätzung des Lebens nach dem Tod zum Maßstab nimmt – er ist auch eine Religion der „Reinheit“ und „Reinigung“. Gereinigt soll die Erde werden von den Ungläubigen, wenn Mission nichts einbringt. Dem Gebot „Du sollst nicht töten“ wird in jenen „Schwertversen“ apodiktisch widersprochen. Sogar eine Form der Hinterhältigkeit ist in das Gebot eingebaut: „Und so sie den Rücken kehren, so ergreift sie und schlagt sie tot, wo immer ihr sie findet“ (4,89). Es ist in den letzten Jahren überdeutlich geworden, auf welch fruchtbaren Boden solche heilige Mordhetze gefallen ist. Zuletzt fühlte sich ein asylsuchender junger Afghane inspiriert. Der war allerdings.keine klassische menschliche Bombe mit Gürtel etc.

Wolffsohn nimmt, wenn er die Anfangsfrage stellt, sozusagen Deckung hinter einem inzwischen verstorbenen christlichen Freund, dem Theologen Eugen Bliser, der gemeint hatte, ein Mensch könne nicht zugleich Mensch und Bombe sein. Indem er sich freiwillig in eine Bombe verwandle, entziehe er sich dem Menschsein und entäußere sich der Menschenrechte. Als Bombe sei er Materie und nicht als Mensch zu behandeln, denn eine Bombe könne nicht Ebenbild Gottes sein. Will sagen, der hehre Satz „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, der auch für Hitler und Pol Pot gelte, könne auf den Muslim mit Sprenggürtel nicht angewendet werden, auch wenn er noch am Leben sei. Eine Bombe ist er ja schon auf dem Weg zum Flughafen  und ergo kein „Mensch“.

Wolffsohn nennt diesen Gedanken „höllisch“ und rechtfertigt ihn  gleichzeitig als „wehrhaft, aber defensiv“. Immerhin wollten die selbstmörderischen Mörder die christlich-jüdische westliche Welt aus der Welt bomben. Der Professor warnt auch davor, daß immer mehr Menschen, die dem Terror ausgesetzt sind, sich bereit finden, „sich mit dem Aggressor zu identifizieren und dessen Verlangen nachzugeben“ – eine Tendenz, die auch der DREYZACK seit längerem beobachtet. Von ihr erhält der Roman „Unterwerfung“ von Houellebecq seine furchterregende Brisanz und Aktualität. Vor allem vor dem Hintergrund gutmenschenartiger Verharmlosung à la Wulff, Merkel oder auch Renate Künast, die zuletzt die Tötung des axtschwingenden jungen Afghanen im Zug bei Würzburg reflexhaft bedauerte, statt nach den Opfern zu fragen.

Wolffsohns Zeuge, der christliche Theologe Biser, hatte dem Islam zugute gehalten, eine junge Religion zu sein, 600 Jahre jünger als das Christentum und sozusagen noch in der Pubertät. Sollte damit die Ermahnung verbunden sein, die notorischen Untaten der Muslime nach dem Jugendstrafrecht zu verurteilen und Bewährung auszusprechen, so machte die übrige Menschheit den Fehler, einen Intesivtäter heranzuzüchten, der ihr als „Islamischer Statt“ schon jetzt täglich vor Augen führt, welche mörderischen Potentiale im Zeitalter der Bombe eine Religion heute noch bereitstellen kann. Der „Islamische Staat“ bedient sich zwar mafiöser und faschistoider Methoden, aber er ist gleichzeitig die“reinste“ Gestalt des Islam, und auch dessen Methoden, sofern er Mainstream ist, müssen „mafiös“ und „faschistoid“ genannt werden, wie es Hamed Abdel-Samad tut. Die Methoden des pubertierenden Christentums waren keine anderen vor 600 Jahren, als die Inquisition wütete und die Scheiterhaufen brannten und Kreuzzügler und Konquistadoren Massenschlachtungen veranstalteten. Er bedurfte der Anstrengungen der Vernunft, der Aufklärung, die Menschlichkeit hinter dem Rücken der Frommen wieder zu Wort kommen zu lassen. Wolffsohn meint, daß dem Islam eine „talmudische oder jesuanisch-christliche Evolution und Revolution“ fehle. Mag sein, aber vor allem fehlet ihm ein Bekenntnis zum Menschen als Vernunftwesen und die Anerkennung des diesseitigen Lebens als wertvoll. Es ist der anscheinend unverzichtbare Jenseitsglaube, der die Monotheismen verbindet und das Leben entwertet – das Leben einzelner und sogar die Existenz aller.

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