Furcht des Herrn

Zwei Szenen:

Ein Fernsehteam in einer Grundschule. Zweitklässler. Ein muslimisches Mädchen auf die Reporterfrage: „Wovor hast du am meisten Angst?“ (Antwort – sehr leise): „Vor Gott.“

Ein Video auf der salafistischen Seite „Die wahre Religion“.  Ein Stand mit Verschenk-Koranen auf einem belebten Platz  Eine junge Frau nähert sich zögernd. „Schwester, bist du Muslima?“ Sie nickt. „Warum trägst du kein Kopftuch?“ Schweigen – dann flüsternd: „Habe ich vergessen.“ „Du weißt, Schwester, daß du dafür in die Hölle kommen kannst.“ Sie nickt schuldbewußt.

Der Koran beschreibt die Hölle: „Brennen will ich ihn lassen im Höllenfeuer / Nicht läßt es übrig und nicht verschont es / Schwärzend das Fleisch“ (Sure 74, 26 ff) „Sooft sie erlischt, wollen Wir die Flamme wieder anzünden“ (17, 97) „Die Speise des Sünders: Wir geschmolzenes Erz wird es kochen in den Bäuchen. Wie siedendes Wasser kochen. Fasset ihn und schleifet ihn mitten in den Höllenpfuhl. Alsdann gießet über sein Haupt die Strafe des siedenden Wassers“ (44, 44 ff). Dies nur eine kleine Auswahl. – Erkenntlich hat Dante den Koran gut studiert.

Die Drohung mit der Hölle war und ist auch im christlichen Kulturkreis Bestandteil dessen, was Ahmad Mansour, der in Berlin lebende arabische Israeli, in seinem Buch „Generation Allah“ „Angstpädagogik“ nennt. Der eifersüchtige, rächende, strafende Gott, der wahrlich kein „Kuschelgott“ ist, für den ihn Margot Käßmann hält, bekommt sowohl bei Christen wie Muslimen das Schild „Barmherziger“ umgehängt, um ihm etwas von seinem Schrecken zu nehmen. Klarer Fall von Etikettenschwindel. Nur hat man sich im christlichen Westen darauf besonnen, daß die abstoßenden alttestamentarischen Aspekte einer solchen Theologie eher als kontraproduktiv einzuschätzen sind und die Hölle samt Vorhölle praktisch abgeschafft.

Anders die Muslime. Mansour beschreibt, wie sich Angst und existentielle Unsicherheit in den Erziehungsmethoden der Eltern auswirken mit Körperstrafen und Höllendrohungen. Und er beschreibt die Konsequenzen einer solchen Erziehung: „Sie schränkt, Hand in Hand mit dem Buchstabenglauben, Verstand und Neugier ein, sie verhindert das Ausbilden einer eigenen inneren moralischen Instanz, die Entwicklung einer autonomen Urteilsskraft, die jeder Mensch braucht, der in einer komplexen und modernen Gesellschaft lebt.“ Es ist nicht verwegen, das, was gemeinhin die „Rückständigkeit“ der muslimischen Welt genannt wird, auch auf solche in die gewollte Verdummung des bedingungslosen Gehorsams führende religiöse Erziehung zurückzuführen. Es entsteht der klassische autoritäre Charakter islamischer Prägung. In den Kämpfern und Märtyrern des IS begegnet er uns – sowohl weiblich wie männlich – als Idealtypus. Davon auszugehen ist weiterhin, daß die unübersehbare Zahl von Suizid-Bombern nicht nur des IS neben den erotischen Versprechungen des Paradieses noch einem anderen Aspekt geschuldet ist: Nur wer die strengen Gesetze der Scharia ein Leben lang beachtet, die Gebete verrichtet, die Speise- und Kleidervorschriften befolgt, dem Alkohol und dem außerehelichen Sex entsagt, kann des Paradieses sicher sein. Höllenstrafen sind eher wahrscheinlich. Um nicht eingesargt auf das Jüngste Gericht warten zu müssen, um dann vielleicht ins ewige Feuer geschickt zu werden, gibt es eine bombensichere Methode: Man macht sich selbst zur Bombe und kommt direkt ohne zeitliche Verzögerung ins Paradies. Daß diese Strategie in den Köpfen vieler junger Männer und auch Frauen etwas Zwingendes hat, muß unterstellt werden.

Wenigen gelingt, was die als somalische Muslima geborene Ayaan Hirsi Ali in ihrer Autobiografie beschreibt. In dem Moment, als sie zu sich sagen kann „Ich glaube nicht an Gott!“ bemerkt sie: „Ich quälte mich nicht mehr, spürte nur eindeutige Klarheit. Die Engel, die auf meiner Schulter saßen und mich beobachteten, die Anspannung, daß ich Sex hatte, ohne verheiratet zu sein, Alkohol trank und meinen religiösen Pflichten nicht nachkam – das alles war weg. Die allgegenwärtige Aussicht, später in die Hölle zu kommen, war verschwunden, und plötzlich wirkte mein Horizont viel weiter. Gott, Satan, Engel: Ausgeburten der Fantasie. Von jetzt an konnte ich sicher auftreten, mit beiden Beinen auf der Erde stehen und mich so verhalten, wie es mir meine Vernunft und meine Selbstachtung eingaben. Mein moralischer Kompaß war in mir, nicht zwischen den Seiten eines heiligen Buches.“.

 

 

 

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