Gottes Mörder

Kürzlich ist die Fatwa für Salman Rushdie nicht nur erneuert worden, vielmehr wurde das Kopfgeld noch einmal erhöht – auf 4 Millionen Dollar. Auftraggeber für den Mord im Namen Allahs sind iranische Mullahs und staatliche iranische Medien. Der Gottesstaat, mit dem der Westen seit dem Atom-Deal wieder Win-win-Geschäfte machen möchte, demaskiert sich als Mafia-Organisation, nun auch hoffentlich erkennbar für die, die eine Beleidigung des Islam, wie sie Rusdie nachgesagt wird, für verwerflich halten. Morddrohungen und Auftragsmorde sind bekanntlich die Waffen, mit denen die Mafia in den einschlägigen Ländern Macht und Einfluß gewonnen hat. Politik und Mafia liegen etwa in Italien seit langem in einem Bett, wenn auch diese Ehe nicht gerade als Liebes- aber doch als Angst-Erpressungs-Beziehung angesehen werden muß. Auch Kritiker der Mafia teilen das Rushdie-Schicksal.

Hamed Abdel-Samad hat die mafiösen Strukturen und faschistoiden Methoden des politischen Islam schon seit längerem benannt. Auch er muß um sein Leben fürchten. Ayaan Hirsi Ali, Schicksalsgenossin, antwortete kürzlich auf die Frage, ob der Islam eine Religion sei wie andere, er unterscheide sich darin, daß er Menschen zwinge, Bodyguards zu engagieren. Beteuerungen von Allahs Barmherzigkeit und Friedlichkeit wirken auf diesem Hintergrund wie heilige Zynismen. Rehabilitiert ist Allah höchstens dadurch (und nur für die Ungläubigen), daß er nach uraltem Schema ein Artefakt ohne Schuldzurechnungsfähigkeit ist.  Nicht ein einzelner spekulierender Künstler wie Platon ist für seine Existenz verantwortlich, auch keine priesterliche Werkstatt wie im Fall des Alten Testaments, sondern ein besessener, angeblich illiterater Sinnsucher, der in den „Satanischen Versen“, dem Stein des Anstoßes, äußerst eindrucksvoll geschildert wird. Allerdings bedient sich Rushdie, der Gotteslästerer, aller Errungenschaften des modernen Romans und schafft ein epochales Werk, das das Auffassungsvermögen der Mullahs überfordern mußte.

Wir schließen daraus möglichst gradlinig und anstoßerregend, daß der staatlich verordnete Konsum von Religion dumm macht. Und gefährlich. Nicht nur im Iran. Sie wirkt wie Haschisch – kurzfristig stimulierend, langfristig geistermattend. Die Menschheit hat nicht wegen Religion, sondern trotz ihrer Allgegenwart gewisse Fortschritte gemacht. Zu unterstellen ist aber, daß Homo sapiens weiter und weiser (sapiens) wäre, hätte er nicht schon im Kindesalter mit dem Kiffen angefangen. Auch Religion ist ein Produkt der Evolution, nach Ansicht einiger Wissenschaftler entstanden, die Zusammenarbeit in menschlichen Gruppen (nicht zwischen ihnen) zu verbessern. Ob ein „Zwischen“ funktionieren könnte, bleibt vorerst eine offene Frage. Systeme wie Religionen sind auf Anpassung an Umwelten angewiesen, wollen sie nicht degenerieren. Nach Nietzsches Diagnose ist auch das Christentum ein Produkt degenerierender Prozesse, deren Gefährlichkeit allerdings abgemildert wurde durch Entwicklungen, die wir als „Aufklärung“ zusammenzufassen pflegen. Der Isam isolierte sich aus vielerlei Gründen von solchen, auch wissenschaftlich und militärtechnisch fortschreitenden Umwelten und fand sich schließlich auf der Seite der Verlierer. Seine Völker wurden von einer überlegenen Zivilisation der Ungläubigen erniedrigt und gedemütigt. Seit hundert Jahren erwuchs aus dem Bewußtsein dieser welthistorischen Niederlage das Ressentiment, die Wut, derer sich jetzt die Ayatollahs und das „Kalifat“ bedienen, um jenen Geist der Gottlosigkeit, wie ihn Rushdie repräsentiert, zu vernichten.

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