Wen solche Lehren nicht erfreun…

Steht der DREYZACK für einen „religious turn“, also dafür, daß Religion nicht nur irgendwie  interessant geworden ist, sondern daß sie in der gegenwärtigen Theoriedebatte einen prominenten Part spielt? Verdanken wir das etwa dem Islam? Vieles spricht dafür. Religion ist entgegen der Hoffnung der Aufklärer des 18. Jahrhunderts nicht nur nicht verschwunden, sondern weltweit breitet sie sich in vielfältiger Weise aus, und in Europa,  dem Ursprungsort der Aufklärung, verbreitet sie gegenwärtig in Gestalt einer Vettern-Religion des halbwegs friedlich gewordenen Christentums Angst und Schrecken. Die politischen Akteure sehen sich konfrontiert mit muslimischen Welterklärungs- und Sinnstiftungsmodellen, die der Komplexität zeitgenössischer Wirklichkeit brutal den Garaus machen. Halsabschneiderisch. Wer nicht zurück will in die archaische Welt einer arabischen Spätantike und ihrer Rituale und Vorschriften, wird, sollte er zur falschen Zeit am falschen Ort sein, entweder in europäischen Großstädten in die Luft gesprengt oder in nahen Wüstenregionen seines Kopfes beraubt.

Die Konstellation ist nicht neu. Kurze Zeit nach dem Ende der letzten Hexenverbrennungen in Europa erschien auf der Opernbühne ein humanistisches Propagandastück, das bis heute sich einer enormen Beliebtheit erfreut: Mozarts „Zauberflöte“. Auf den ersten Blick erscheint sie nachgerade als das entschiedene Dementi der IS-Ideologie. Rache sollte verpönt sein, Brüderlichkeit die Menschheit versöhnen – aber wer auch immer zweifelte am neuen Konzept, dem wurde das Menschsein abgesprochen. „Wen solche Lehren nicht erfreun, verdienet nicht, ein Mensch zu sein,“ singt der Oberhumanist Sarastro. Frauen gelten ihm als Inbegriff des Unglaubwürdigen, Verschlagenen, Gefährlichen, die man gefälligst in der Hölle zu deponieren hat.

Man erkennt einigermaßen verstört, daß das Frauenbild der aufgeklärten Europa des 18. Jahrhunderts, auch das der französischen Revolution, dem des gegenwärtigen Islam und auch  des heutigen Katholizismus durchaus nicht unähnlich ist. Alle sind, dessen durchaus nicht bewußt, Erscheinungsformen eines patriarchalischen Gesamtsystems. Dessen Ideologie und dessen immer weitergesponnener grundierender Mythos von dem einen Gott wird den Menschen verkauft als etwas Heilsnotwendiges, geradezu Menschlichkeit erst Stiftendes. „Der Mensch braucht Religion“, verkündete gerade erst ein Professor der Alanus- Hochschule in Alfter bei Bonn, Carlo Willmann,  ganz im Geiste des Menschenfreundes Sarastro. Wer keine Religion braucht, ist demnach kein Mensch. Wer „Mensch“ so definiert, müßte im Sprachgebrauch derer, die „Gutmenschen“ nicht mehr genannt werden dürfen, als „Rassist“ gelten. Der DREYZACK teilt bekanntlich solche Handhabung von Begriffen als irrationale Waffen im Diskurs nicht. Er glaubt nicht, daß religiöse Menschen einer anderen Spezies angehören. Aber er hält fest, daß sie eine andere Sprache sprechen, den religiösen Code verwenden, dessen Übersetzbarkeit in die Sprache des Säkularen und der Wissenschaft eines der gegenwärtigen geisteswissenschaftlichen Hauptprobleme ist. Was meint „Sünde“, was „Erlösung“, was „Gott“ auf weltlich?

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Eine Antwort zu Wen solche Lehren nicht erfreun…

  1. Blatter Sepp schreibt:

    Mozart’s Sarastro = IS-General. Das ist schon ne steile These. Wegen eines Satzes? Aber es stimmt schon! In der ursprünglichen Fassung waren die Rolle Königen der Nacht/ Sarastro mit umgekehrten Vorzeichen versehen.
    Das Grundproblem scheint tatsächlich die Einbahnstraßen Toleranz in beiden Fällen. Bzw. die systemimmanente Einbahnstraßen Toleranz in monotheistischen Heilsreligionen. Ich werde wohl nie verstehen, dass nicht jeder nach seiner Art glücklich werden darf. Vielleicht muss man mehr hinter die Fassaden dieser Vereine gucken. Da unterscheidet sich die FIFA nicht sehr von der IS oder Rom. Die Großkopfigen, fetten und satten nehmen die Hauseigenen Regeln um such persönlich zu bereichern oder Vorteile zu ziehen. Echte „Überzeugungstäter“ in der Führungsriege sind eher die dann unbestechliche Ausnahme. Franz I ist hier eine solche. Das perfide Prinzip ist immer ähnlich. Die Masse schupft das Opium (EM, WM, Jungfrauen in Jenseits, Erlösung), wenige sacken Geld, diesseitigen Luxus und echte Frauen, Geld ein und lassen sich es gutgehen. Im stillen Kämmerlein werden die Schäfchen ausgelacht ob soviel Dummheit. Unmittelbar nach der Spirtpalast Predigt soll Goebbels sich darüber beklagt haben. Das wird sich wohl nie ändern. Ist die Botschaft nur einfach genug und das Volk dumm genug (dank mangelnder Bildung), bleibt der Ball im Spiel.

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