Populisten des Glaubens

Wer eine Kirche gründet oder eine Partei, muß nah beim Volk (lateinisch „populus“) sein, populär also, und gerät deshalb nicht selten in die Gefahr, beim Pöbel zu landen. Eine Religion, die so kompliziert ist wie das trinitarische Christentum, muß sich in vereinfachten, schlichten Riten, Bildern und Fetischen (Reliquien) darstellen, muß seinen Gott bis zur Ungöttlichkeit vermenschlichen, so daß man ihn beleidigen (und damit fast anfassen) kann, und unversehens ist man mitten in dem Aberglauben, dessen man andere Religionen bezichtigt. Man nennt es „Volksreligiosität“ und befriedigt deren Ansprüche gern, weil man so das Volk, vor allem die Frauen des Volkes, die man seit je verachtet, an sich bindet. Gegenwärtig wird anläßlich des bevorstehenden Katholikentages etwa im Radio (WDR) gefragt, ob Katholiken „mitdenken“ oder ob sie nur nachplappern oder sich störrisch in die Ecke stellen. So ist „das Volk“ nun mal, wie unmündige Kinder (oder Schafe), würden die volkskundigen Kleriker sagen.

Der Islam seinerseits, der seine Gläubigen Tag für Tag, Stunde für Stunde, Schritt für Schritt (mit welchem Fuß zuerst betrete ich ein WC?), mit Anweisungen, Verboten, Geboten traktiert, um folgenschwere (Hölle!) Übertretungen zu verhindern,  ist eigentlich, bei Lichte besehen, ein Katholizismus für schlichte Wüstennomaden. Alles ist einfacher, klarer, kurz: verständlicher im Koran als etwa im Neuen Testament, wo ein beleidigter Gott fordert, die Beleidigung müsse gesühnt werden, sonst habe er sein Gesicht verloren. Einer wenigstens müsse das Sühne-Selbstopfer bringen. Für den schlichten Bearbeiter der jüdischen und christlichen Vorlagen, Mohammed, war das nicht einsichtig, daß man einen, den er seinen prophetischen Vorgänger nannte und als solchen verehrte, ans Kreuz nagelte. Er ließ ihn geradewegs zu Allah auffahren und einen anderen nageln. Etwas anderes hätten seine Muslime nicht hingenommen oder gar verstanden. Die Popularität des Islam drückt sich in seinen Anfangserfolgen, in seiner Verbreitung aus. Die Ideologie ist simpel, Gebote und Verbote (fast immer) eindeutig. Es gibt nur eine inhaltliche Botschaft: die vom einzigen größten Gott, ergänzt durch die Drohung mit Gericht und Hölle.  Das Geschlechterbild entspricht dem des Christentums als einer ebenso patriarchalischen und ehemals sehr politischen Ideologie.

Mag es auch unangemessen scheinen, in diesem Zusammenhang von der AfD zu sprechen, die sich gerade mit den Muslimen fetzt, wie zwei verfeindete Geschwister sich fetzen mögen – die Schlichtheit der sich im „alternativen“ Parteiprogramm ausdrückenden Gedanken steht den Glaubensvorschriften der Offenbarungs-Religionen nicht nach. Das Ideal, die „Alternative“ liegt in einer sehr vergangenen Vergangenheit. Das „Volk“ ist die Basis des Erfolgs; die Notwendigkeit; diese Basis durch Verblödung zu festigen, unleugbar. Das Volk mißtraut allem Fremden bis hin zur Angst. Das Fremde zeigt sich im Kopftuch, im Minarett und in einer Religion, die man eigentlich nur etwas glattbügeln und von Steinigungen und Handabhackereien befreien müßte, um sie salonfähig zu machen. Denn in einem existentiellen Punkt, im Frauen- und Familienbild, ist man sich mit Muslimen und Katholiken sowie vielen CDU/CSU-Wählern einig. Das „linksgrün verseuchte Deutschland der Achtundsechziger“ (Höcke) mit Gender-Mainstreaming, Schwulen, Leben und Feministen wollen sie alle nicht – die Gläubigen wie die Alternativen. Sie glauben gemeinsam an das phallische Prinzip, das sie in Abraham, dem ersten Patriarchen, verehren. Sie nennen es „natürliche Schöpfungsordnung“. .

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