Der Glaube und das Denken

Der muslimische Theologe und Religionspädagoge Abdel-Hakim Ourghi gibt in einem FAZ-Beitrag (18.5.16) einen Einblick in den Koranunterricht an deutschen Moscheen, der so gnadenlos und gleichzeitig erhellend wie deprimierend nur von einem Insider seiner Kultur stammen kann, ohne in den Verdacht säkular-europäisch getakteter „Islamophobie“ zu geraten.

(Daß es inzwischen eine „Islamophobie der Muslime“ gibt, ist im DREYZACK nachzulesen. Der bekannte französische Islamforscher Gilles Kepel hat gleichfalls eine brauchbare Definition des Kampfbegriffs „Islamophobie“ entwickelt, der sich unsere Medienmenschen und Politiker bedienen sollten, wenn sie sich an Islamenkritik reiben: „Mit dem Begriff haben die Salafisten und ihre Sympathisanten ein Tabu geschaffen, ein Denkverbot, das jegliche Analyse dessen unterbinden soll, was innerhalb des Islams passiert“)

Der Muslim Ourghi mißachtet das Tabu. Die Moscheen-Pädagogik der Unterwerfung geht, kritisiert er, von dem Grundsatz aus, „daß zwischen Wissen und Glauben“ nicht unterschieden wird. Es gehe den pädagogisch tätigen „Importimamen“ nicht um den persönlichen Reifeprozeß der Kinder, „sondern um die autoritative Vermittlung des religiösen Stoffs“. Dadurch sei die „Spaltung zwischen einer modernen und einer konservativ-religiösen Identität“ erwartbar und Identitätskonflikte vorprogrammiert. Es gehe um Unterwerfung und Bevormundung der Kinder, die nicht in die Lage kommen sollten, ein kritisches Bewußtsein zu entwickeln und schöpferische Kraft zu entfalten. Ihre Einpressung in die patriarchale Gesellschaftsstruktur sei das „Erziehungs“-Ziel. Fazit: „Die Unterwerfung der Kinder wird durch eine Kultur des Schweigens stabilisiert. Die Kinder gelten als irritable Geschöpfe, die durch religiöse Erziehung vor dem schädlichen Einfluß westlicher Werte zu schützen sind. So führt der Koranunterricht geradewegs zu ihrer Ausgrenzung.“

Das Ideal des schwarzen Pädagogik kennen wir auch aus der jüngeren europäischen Geistesgeschichte: Kritikvermeidimg, Unterwerfung unter die herrschende Ideologie, Anpassung um den Preis der Verblödung.  Bis in die Zeiten des real existierenden Sozialismus der DDR, die den Marxismus zu einer Religion mit Absolutheitsanspruch verunstaltet hatte, wurde das Kant’sche „Habe Mut, dich deines Verstandes zu bedienen“ als zerstörerisch angesehen. Natürlich fürchteten sich die Religionen und Kirchen, auch wenn sie es heftig dementieren, stets vor der Denkfähigkeit der Individuen. Deshalb installierten sie ihre Hirnwaschfabriken sogar in den Universitäten und tarnten sie als Wissenschaft der Theologie. Die Moscheen, wie sie Ourghi geißelt, erscheinen nur den westeuropäisch gebildeten Bewohnern der Jetztzeit so bizarr. Sie erfüllen das ewige Ideal der Einübung einer Unterwerfung. Diese Unterwerfung erzeugt, wie ein zorniger Kant es formuliert, als „schwärmerischer Religionswahn den Tod der Vernunft“ (Die Religion innerhalb der Grenzen der blossen Vernunft).

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