Das katholische Geschlecht

Endlich löst Papst Franziskus ein, was er von Anfang an versprochen und vorhergesagt hat: die Revolution. Also, wenn man so will, das erste Teilstück. Das heißt, er läßt zunächst die theologische Rechtfertigungsmöglichkeit einer Revolution prüfen. Er will untersuchen lassen, ob die Kirche nicht zusammenbricht, wenn Angehörige der Spezies Homo sapiens, deren Testosteronspiegel eine gewisse Höhe nicht überschreitet, die weder Penis noch Hoden besitzen, die während einiger Jahrzehnte ihres Erdenwandels monatlich bluten und deshalb unrein sind – wenn solche Wesen die Sakramente berühren, ob dann nicht… ?  Ja was eigentlich?

In den auf magische Weise (man denke an die Taufe!) wirkenden Sakramenten teilt  immerhin Gott selbst den Menschen sein Heil mit. Wenn also Frauen Diakoninnen, vielleicht sogar Priesterinnen, gar Bischöfinnen würden (weiter wollen wir hier nicht spekulieren!), ginge die katholische Christenheit dann des Heils wegen Verunreinigung etwa des Sakraments Taufe verlustig? Franziskus‘ Vorgänger haben sich mit Schreckensgebärden von solchen Szenarien abgewendet und das Heil im Festhalten an Regeln gesucht, die niemand vermittelbar sind. Eine sinnvolle Antwort auf die Frage „Warum spielt das Geschlecht in der Kirche Christi überhaupt die Rolle, die es spielt?“ gibt es nicht. Wenn es aber, warum auch immer, eine Rolle spielte, müßte sie nicht eher eine umgekehrte sein – war doch Jesus von allen Religionsstiftern der frauenfreundlichste, die Frauen seine treuesten Jüngerinnen. Unter seinem Kreuz standen sie, als die Männer in Panik davongerannt waren. Petrus hatte ihn  zuvor verleugnet, der Jünger Judas ihn verraten. Einer Frau aber als erster zeigte er sich nach der Auferstehung. „Doch die Apostel hielten das alles für (Weiber)geschwätz und glaubten ihnen nicht“ (Lukas 2,11).

Eine patriarchalische Redaktion bis hin zu den Kirchenvätern stutzte die Überlieferung so zurecht, daß die Frauen sukzessive aus dem historischen Gedächtnis an die frühe Kirche verschwanden. Aus Diakoninnen der frühen Kirche wurden durch Namensänderungen Männer. Tertullian erinnerte die Weiber als Evas Töchter daran, daß sie sich dem Teufel verbündet und durch den Sündenfall den Tod über die Menschen gebracht hätten. Dem folgte die patriachal-gynophobe Männerkirche mitsamt ihren Frauen gerne. Bis heute. Die christliche Heilsbotschaft wurde in einen patriarchalischen Mythos verwandelt. Das Priesteramt für Frauen, so begreifen es die Männer, wäre der erste Schritt zum Untergang der Männerkirche. Nur wenn Gott ein Mann ist, kann der Mann ein Gott sein – für die Frau.

Und hier zeigt sich wieder die geschwisterliche Nähe zu Juden und Muslimen. Das Schreckbild Weib angesichts des Selbstbildes: Mann als triebgesteuert-verführbares Wesen, des sexualisierten Affen in Menschengestalt, vereint die drei Abraham-Urenkel. Ein Allah-Zitat aus dem Koran gilt auch für seine Vettern Jahwe und Gottvater: „Ich habe keine für Männer schlimmere Versuchung hinterlassen als Frauen“.

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