Das katholische Geschlecht (2)

Wir befinden uns im einundzwanzigsten Jahrhundert. In der zweiten Dekade. In dieser Gegenwart, in einer Wochenzeitung für die Gebildeten (ZEIT-Magazin) finden wir folgende erstaunliche Statements: „Menstruation ist nichts Anormales. Nichts Schmutziges und schon gar kein Beweis für die Minderwertigkeit der Frau.“ Wir sind zunächst sprachlos. In wessen Ohr sind diese Sätze geflüstert oder geschrien? Wer muß unbedingt von ihrer Stichhaltigkeit überzeugt werden? „Die Minderwertigkeit der Frau kann durch die Menstruation nicht bewiesen werden!?“ Ja wie denn sonst?

Fragen wir zunächst einen Verdächtigen, den katholischen Klerus. Oder den Papst selbst. Die gehen ja von einer gewissen Minderwertigkeit oder wenigstens Andersartigkeit der Frau (Mensch mit Menstruationshintergrund) aus, die sie für so schwerwiegend halten, daß sie das „andere Geschlecht“ (Simone de Beauvoir) um jeden Preis von den Ämtern fernhalten müssen, die mit der Handhabung der Sakramente (Taufe, Eucharistie, Beichte etc.) zu tun  haben. Würden sie nach  Gründen gefragt (was in theologischen Dingen immer eine heikle Sache ist), kämen Antworten abgründiger Sinnlosigkeit heraus. Die Antwort, die die frommen Männer aber durchaus produzieren könnten, ist vom Tabu der Unaussprechlichkeit verdeckt. Sie heißt: „Reinheit“. Die (auch potentiell) menstruierende Frau ist als solche von je her „unrein“.

Dieses Blut-Tabu verbindet die katholische „Hochreligion“ mit der religiösen Sphäre des Patriarchats, auch der weniger „hohen“, schlechthin. „Hat eine Frau Blutfluß und ist solches Blut an ihrem Körper, soll sie sieben Tage lang in der Unreinheit ihrer Regel verbleiben. Wer sie berührt, ist unrein“ (Levitikus 15,19)  „Die Monatsblutung ist ein Leiden. Enthaltet euch daher eurer Weiber während der Blutung und nähert euch ihnen nicht eher, als bis sie rein sind“ (Sure 2, 222). Der Mythos vom unreinen, ja gefährlichen Blut ist es, der sich  verbirgt in den Tiefen der Ablehnung eines Zugangs der Frauen zum Priesteramt. Die archaischen Wurzeln dieses magischen Denkens waren eigentlich von Jesus schon überwunden, der ja auch Speise- und Kleidungsvorschriften negierte, wurden aber im Verlauf der Entwicklung der Kirche zu einem System patriarchaler Herrschaft mit Elementen des Alten Testaments wieder belebt. Von hier aus wirkte es auf den Koran.

Orthodoxes Christentum, jüdische Ultra-Orthodoxie und Katholizismus sind vereint mit dem Islam in ihrer Reinheitsideologie, die mit Misogynie einhergeht und im Christentum einen Jungfrauenkult installierte, der in der Marienverehrung eine paradoxe Form der Frauenverachtung  zelebriert. Der Papst, der ängstlich ein kleines Stück des uralten Aberglaubens der modernen Gesellschaft anpassen will, indem er zumindest Diakoninnen zulassen möchte, wird vermutlich auf wütende Verteidiger (Georg Gänswein u.a.) patriarchaler Besitzstände stoßen, wie jetzt schon einige Auguren vorhersagen.

Die Autorin des ZEIT-Artikels über die Menstruation scheint also durchaus zu wissen, wen sie von der Tatsache, daß die Blutung „nichts Schmutziges“ sei und  nichts beweise hinsichtlich der „Minderwertigkeit“ der Frau, noch zu überzeugen hat: Jene, die von Amtes und Eides wegen alles vermeiden müssen, was eine größere Nähe zu und Kenntnis von Frauen ermöglicht..

 

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5 Antworten zu Das katholische Geschlecht (2)

  1. Grauwolf schreibt:

    Der Autor des Dreyzack leidet an der unter Philosophen häufig verbreiteten Krankheit , leitendes Symptom: Gebetsmühlenhaftes Wiederholen hinlänglich bekannter Einsichten und Argumente.

    Kant gab 1784 in seinem berühmten Aufsatz in der Berlinischen Monatsschrift eine Definition des Begriffs der Aufklärung, deren utopischer Charakter immer wieder betont werden muss ! Denn nach mehr als 225 Jahren müssen wir resigniert feststellen: der Mensch will nicht heraus aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit! Ausnahmen bestätigen wie so oft die Regel! Warum sollte er auch? Es lebt sich unaufgeklärt eben doch leichter …

    Ich halte (es zumindest in diesem Falle der Hoffnungslosigkeit!) mit der Devise Friedrichs III.: rerum irrecuperabilium felix oblivio! Wie heißt es doch so treffend übersetzt in der Fledermaus: glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist.

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  2. neptun16 schreibt:

    „Hinlänglich bekannt“ ist dem Durchschnittskatholiken hier, also das Blut-Tabu betreffend, gar nichts. Die Gebetsmühle ist andererseits ein Gerät, das auch von der Kirche und nicht nur in asiatischen Kulten nicht ohne Erfolg seit Jahrhunderten betätigt wurde. Vielleicht kommen ja die „progressiven Kräfte“ doch einmal aus ihren Löchern und bekennen, daß der Verein, dem sie angehören, sich auf der geistigen Stufe eines Stammesreligion befindet, wo die Tabus die Gesetze sind., Es war übrigens vor längerer Zeit die streitbare Theologin Uta Ranke-Heinemann, die das Thema Blut-Tabu, Menstruation und Priesteramt in ihrer Kirche diskutieren wollte, aber ohne Echo blieb.

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    • Grauwolf schreibt:

      Der Name der Krankheit : ! Der Name wurde von mir ausVersehen genannt !

      Dass Tabus aus dem Diskurs ausgeschlossen sind, weiß auch jeder,der dies wissen will. Sonst waren es keine Tabus ! Und dass Tabus der Machterhaltung dienen, weiss auch jeder …

      Durchschnittskatholiken wollen sich nicht aufklären, sonst wären sie keine ! Sie wollen wie alle Gläubigen dem Herrn dienen : ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben!
      Und über den Erfolg von Gebetsmuhlen nur so viel : sie reduzieren Komplexität!

      Manchmal kommt mir Johannes Dreyzack vor wie ein Prediger in der Wüste der Unaufgeklärtheit, dem der Herr fehlt, dem er den Weg bereiten will.
      Da gab es schon viele Intellektuelle, denen es ebenso erging: der bekannteste ist wohl Friedrich Nietzsche …

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  3. Grauwolf schreibt:

    Der Dreyzack unterdrückt alles, was in spitze Klammern gesetzt wird. Hier war es das Prinzip Hoffnung !

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