Im Kultur-Käfig

Gibt es ein richtiges Leben im falschen?

Die in Holland lebende „gläubige Muslima“ Nahed Selim, aus Ägypten stammend und Feministin, will das Deutungsmonopol der Männer, was den Koran betrifft, brechen. Sie fordert „Nehmt den Männern den Koran!“ (Buchtitel 2005) und glaubt an die Möglichkeit einer „weiblichen“ Interpretation. Doch dann liest sie einige Verse so, wie man sie ganz unabhängig von der Gender-Perspektive lesen würde, etwa Sure 2,223, einer der „Lieblings-Verse“ des DREYZACK: „Eure Weiber sind ein Saatfeld für euch: darum bestellt euer Saatfeld, wie ihr wollt.“ Nahed Selim, für die der Koran jenseits allen Zweifels Gottes Wort ist, fühlt sich als Frau von Gott verraten. Sie klagt: „Der Koran stellt sich hinter die Männer und besiegelt damit die sexuelle Sklaverei der muslimischen Frauen.“ Starker Tobak für einen Gott und seinen Propheten, der so leicht zu beleidigen ist. Es wird aber noch besser: „Gott persönlich autorisierte den Mann, mit der Frau zu tun, was er will, und zwar wie und wann er es will.“ Entweder ist der Wortlaut von Gottes Ermächtigung zwingend, weil eben göttlich, oder er ist feministisch interpretierbar – und dann ist es um so schlimmer. Gott erscheint als Alpha-Macho aller Machos, als mächtiges phallisches Prinzip,nicht mehr als der radikal-transzendente, ganz und gar nicht anthropomorphe Allah, der seinem allzu menschlichen Kollegen der christlichen Fraktion doch angeblich so überlegen ist in seiner Unnahbarkeit  Nein, dieser Gott, der sich Mohammed offenbart, ist ganz offensichtlich ein Männer-Kumpan, ein Verbündeter gegen die Weiber, die er als Köder geschaffen hat. Als Köder scheinen sie aber insofern mißlungen, als sie, wie Nahed Selim beobachtet, den Männern „tiefwurzelnde Angst“ machen statt nur der Lust zu dienen. Gegen diese Angst gibt es offensichtlich nur das Mittel der Verachtung und Erniedrigung. Die islamische Kultur ist davon und von der folgerichtigen Geschlechterapartheid geprägt. Irgendetwas ist schief gelaufen, und zwar weil Gott, wie gesagt, parteiisch ist. Er spricht nur mit den Männern, nimmt einzig deren Perspektive ein und verlangt von den Frauen nichts als unbedingten Gehorsam ihren Männern gegenüber, bis zur Preisgabe jeglichen Ich-Stolzes.

Natürlich ist es Unsinn, von einem „Gott“ zu reden, der die Frauen zu haustierähnlichen Lust-Objekten geschaffen hat, mit denen Männern erlaubt ist, jederzeit zu tun, wonach ihnen das Gemächt steht. Vielmehr wollen Männer in gewissen Kulturen gern mit Frauen machen, wonach es ihnen jeweils gelüstet, und dafür erfinden sie eine erlaubende Instanz, die sie meinetwegen „Gott/Allah“ nennen. Entsprechende Suren werden auch hilfreich „herabgesandt“, damit es paßt. Dies ist als Denkfigur im Koran leicht zu verfolgen und dabei so schlicht, daß man sich kaum traut, es aufzuschreiben. Aber es ist leider wahr. Nahed Selim wäre allerdings die Letzte, die solcher gottlos-feuerbachschen Interpretation nicht nur ihrer Religion zustimmen würde. Doch nur mit Hilfe einer solchen oder ähnlichen Deutung unerträglicher Koranverse und sexistischer Hadithe (72 Jungfrauen!) wäre es möglich, dem kulturellen Dilemma zu entkommen. Wer das Dogma akzeptiert, der Koran sei Vers für Vers Gottes ewig gültige Offenbarung seiner selbst, bleibt rettungslos gefangen im Käfig seiner Kultur. Er/sie mag wütend wie er will an den Gittern rütteln. Nahed Selim bleibt Käfiginsassin. Ayaan Hirsi Ali hat das verstanden und die Gitter auseinandergebogen. Seitdem ist sie auf der einen Seite frei, eine „Nomadin“, wie sie schreibt, auf der anderen permanent bedroht von den Wächtern der Käfige und Dienern des männerbündischen Gottes. Die blutrünstigen Jagdhunde der salafistischen Fraktion, vor denen die Käfige in gewisser Hinsicht auch schützen, dürfen jetzt Witterung aufnehmen.

Unerträglich muß einem Beobachter, der vom Turm der Deklaration der Menschenrechte die religiöse Szene beobachtet, eine Weltreligion erscheinen, die Apostasie mit dem Tode bestraft, die Frauen steinigen läßt, weil sie „unerlaubten“ Sex hatten, die die Häfte der Menschheit für minderwertig erklärt  Diese Religion ist so weit hinter alle inzwischen erreichten humanen Standards zurückgefallen, daß sie einen Platz in Europa nur finden dürfte, wenn sie sich mehrmals häutete. Ob sie dann noch sich selbst und ihren Gläubigen kenntlich wäre, ist eine andere Frage.

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2 Antworten zu Im Kultur-Käfig

  1. Sahid schreibt:

    Was genau macht jetzt Nahed Selim noch mal zur Feministin? Eine eigene Interpretation des Koran dürfte doch hierfür noch nicht ausreichen?

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  2. neptun16 schreibt:

    Sie nennt sich selbst so und begreift nicht, daß sie den Koran radikal dekonstruieren müßte, wollte sie eine feministische Lesart etablieren. Allah ist Repräsentant des Patriarchats, von diesem installiert und mit der Aufgabe betraut, Männerherrschaft zu bewahren. Ganz dieser Aufgabe verschrieben hat sich auch der Prophet. Wann immer er entsprechende Suren brauchte, etwa um eine 9jährige zu „heiraten“, wurden sie herabgesandt. „Feministischer Islam“ ist Widerspruch in sich. Ein richtiges Leben kann es im falschen nicht geben.

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