Geschwister im Geiste

Die jungen Frauen und Männer, die vor der Kamera mit Schildern posieren, auf denen steht „Ich bin keine Feministin“ bzw. „Ich bin kein Feminist“ gehören zur „Jungen Alternative“, also der Nachwuchsorganisation jener Partei, die die Hoffnung auf ihre Fahnen geschrieben hat, es möge bald wieder so sein, wie es nie war. Man könnte hinter dieser Sehnsucht ein verklärtes Bild der Adenauer-Republik vermuten und damit eine Nähe zu den in der Merkel-Ära heimatlos gewordenen Unionschristen; oder auch zu jenen Rußlanddeutschen der 90er Jahre, die in der kasachischen Steppe die Werte der Väter gefriergetrocknet bewahrt hatten; oder schließlich zu jenen Migranten, die ein Bild gottgewollter Männerherrschaft im Schutz ihrer Religion einst nach Mitteleuropa brachten, wo es eigentlich schon unsichtbar zu werden schien. Antifeminismus plus Anti-Islam  gleich Alternative für Deutschland? Wie geht das?

Im islamkritischen Teil des Parteiprogramms der AfD kommt die den Islam mit konstituierende Misogynie, die Frauenverachtung, nur am Rande im Zusammenhang mit der Verschleierung zur Sprache. Weil patriarchalische Muster ein Teil der eigenen Programmatik sind, wurde die Misogynie bei der Analyse des Islam im Sichtfeld der AfD-Ideologen offenbar von einem blinden Fleck verdeckt. Die Ordnung der Geschlechter samt jener Unterordnung der Frauen stammt sowohl von Jahwe wie von Gottvater wie von Allah und wird ergo auch vor der abendländisch-christlich geprägten AfD respektiert. Wer Anti-Feminismus propagiert und Gender-Mainstreaming zurückweist, kann ruhig zum Kongreß der Islamverbände gehen, muß sich dort, wenn weiblich, allerdings hüten, Hände zu schütteln.

Es ist das Gesetz des Vaters, man könnte auch sagen: das phallische Gesetz, das all diese nur auf den ersten Blick so unterschiedlichen Fraktionen vereint, ohne daß sie dessen gewahr werden. Progressive islamische aber auch christliche Theologen weisen bei einer modernen Deutung heiliger Text gerne darauf hin, daß zur Zeit ihrer Verfassung das Patriarchat geherrscht habe, und ein damaliger Mann durfte nun mal seine Frau schlagen, wenn sie ungehorsam war. Daß auch bis ins 19. Jahrhundert, bis in die Anfänge der Bundesrepublik, ja bis heute überall in der Welt das Patriarchat die Matrix der herrschenden Gesellschaftssysteme zur Verfügung stellt, verdrängen die Modernisten, die ihre heiligen Dogmen für reformtüchtig halten, als sei der ewige“Gott“, als sei sein ewig wahres Wort „reformierbar“. Die Fundamentalisten jeglicher Couleur wissen es besser – und sie sind ehrlicher.  Die AfD verdrängt ihre Nähe zum Islam bzw. verleugnet sie, indem sie Äußerlichkeiten wie Minarett und Verschleierung angreift. Auf der anderen Seite bekennen sich die Propagandisten der christlich-jüdischen Tradition gezwungenermaßen zu ihren islamischen Brüdern im Glauben, um den Schmuddelbruder, den Bastard außen vor zu lassen.

Die Brüderschar sollte aber nicht vergessen, daß der „Feind“ ganz woanders steht. Wie es scheint, haben sie es auch nicht vergessen.

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