(Un)klare Grenzen

Einerseits scheint seit dem Erstarken der AfD die Grenze zwischen friedliebendem christlichen Abendland und der gewaltbereiten islamischen Welt deutlich gezogen. Die tapferen Kreuzritter_innen von der AfD wollen dahin zurück, wo die Christliche Union unter ihrem Patriarchen Adenauer vor 60 Jahren war und bei dieser Gelegenheit dem kulturfremden Islam zunächst die gelbe Karte zeigen und die gelb-rote hinterher, wenn nicht gekuscht wird: Platzverweis. Bei uns gelten die leitkulturellen, d.h. christlichen Spiel-Regeln, und die Schiedsrichter sind wir! Aber schon wie weiland anläßlich der bösartigen Mohammed-Beleidigungen durch dänische Karikaturisten zeigt sich die Kirche solidarisch mit den Clanbrüdern, die angeblich alle dem Samen Abrahams entsprangen.

Entsprechend wendet sich der Stadtdekan der katholischen Kirche in Stuttgart, Christian Hermes, in einem mosesmäßigen Zornesausbruch gegen die „niederträchtigen und verfassungsgefährdenden“ Störche und Gauländer, die dem Islam seinen Status als Religion absprechen wollten, um ihm so den Schutz der Verfassung  zu entziehen. Ein Kollege von der evangelischen Fraktion in Württemberg, Landesbischof Frank Otfried July, sprang dem Dekan bei. „Töricht und schädlich“ sei die Behauptung, der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Sie verhindere den „Respekt vor Menschen anderer religiöser Überzeugungen“. Und wem es an Respekt mangelt – der beleidigt. Darauf läuft es hinaus. Nicht nur die Muslime und der Sultan Erdogan haben ein Talent zum Beleidigtsein, die abrahamitischen Vettern allesamt teilen dieses Talent. Gemeinsam haben sie einen Feind: die Ungläubigen. Atheismus ist das schlimmste Verbrechen. Wer nicht glaubt, beleidigt den, an den er nicht glaubt.So die Logik. Der beleidigte weil nicht-gelaubte Gott ist die Quintessenz jedweden theologischen Denkens. Hier, zwischen Glaube und Nicht-Glaube, verläuft die unüberwindbare Grenze, nicht zwischen JHWH bzw. Gottvater auf der einen und Allah auf der anderen Seite. Was den einen der „Gottesstaat“ (Augustinus) war, ist den anderen noch heute das Kalifat, der Islamische Staat – eine Theokratie. Oder?

Geholfen werden kann denen, die das so nicht wahrhaben wollen und die „Religion“, jede, für die Privatsache der Frommen halten und nicht auch für eine politische Ideologie. Der türkische Parlamentspräsident Ismail Kahraman, dessen Landsleute friedlich unter uns leben und dessen Staat Beitrittsabsichten zur EU bekundet, wartete jüngst in Istanbul mit einer bemerkenswerten Kausalität auf: „Wir sind ein muslimisches Land. Als Konsequenz müssen wir eine religiöse Verfassung haben. Säkularismus darf in der neuen Verfassung keine Rolle mehr spielen.“ Der Mann kennt seinen Glauben besser als die nur sehr oberflächlich informierten christlichen Vettern in Almanya. Man achte auf das Wörtchen „Konsequenz“. Konsequent geht aus einer muslimischen Mehrheit eines Landes ein Gottesstaat hervor, wenn nicht ein böser säkularer Diktator wie Assad oder Gaddafi oder irgendein Knecht westlicher Mächte dies verhindert. Die Iraner und die Saudis haben es vorgemacht, und Erdogans Türkei will es nachmachen. Islam ist Scharia. Mäuse, die da den Faden abbeißen, müssen noch gezüchtet werden. Vielleicht kennen die Bösmenschen der AfD nicht alle Argumente für ihre Aussage, der Islam gehöre nicht zu Deutschland, aber recht haben sie, was diesen Punkt angeht, allemal. Man sollte sich über andere Abschnitte ihres Programms erregen, aber vielleicht finden sich zu viele Unions-Christen darin wieder..

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