Wonnen der Unfreiheit

Wer als halbwegs säkularer Mensch dem Treiben der Gläubigen, insbesondere der Muslime, zusieht, kann die Frage nicht vermeiden, die sich auch die französischen Philosophen Deleuze und Guttari vor einiger Zeit stellten. „Warum kämpfen die Menschen für ihre Knechtschaft, als ginge es um ihr Heil?“ Wenn man aber mit Blick auf den Islam die Frage etwas umformuliert, kommt man zu dem plausiblen Schluß: Die Knechtschaft ist das Heil. „Islam“ bedeutet: Unterwerfung unter Gottes Willen.Die sich unterwerfenden Menschen kämpfen um ihr Heil. Der Gläubige wird zum Knecht Gottes. Er hat auch, will er nicht in der de Hölle ewig brennen, keine andere Wahl als diese Knechtschaft. Fügt er sich ihr, wird er im Paradies, einem riesigen Freudenhaus, vor allem mit den fleischlichen Wonnen belohnt, die ihm im Diesseits verwehrt sind. Er darf sogar Wein  trinken.

Dschahannam ist die islamische Hölle. Dort schmoren die Ungläubigen. Wie beim Jüngsten Gericht und beim Paradies hat sich Mohammed beim jüdisch-christlichen Mythos bedient und mit sadistisch anmutender Phantasie sowohl die Hölle noch heißer als heiß und ewig brennen lassen, gleichwohl das Paradies mit soviel erotischen Wonnen bereichert, die Christen die Schamröte ins Gesicht treiben würden. Ihre ewigen Blicke müssen sich auf das Antlitz Gottes beschränken, während die (männlichen) Muslime in den Fleischbergen ihrer Huris schwelgen dürfen. Wen wundert da die Zahl der Konvertiten, die dann zum IS laufen, um möglichst ohne Umwege ins Paradies zu gelangen?

Die islamische Theologie versucht heute, der christlichen nicht unähnlich, eine Quadratur des Kreises, das Problem der menschlichen Freiheit betreffend. Menschliche Freiheit und göttliche Vorherbestimmung schließen sich auf wunderbare Weise nicht aus. Der Volks-Islam ist da eindeutiger. Die muslimischen Massen glauben so sehr an Vorherbestimmung, daß von „Fatalismus“ zu sprechen durchaus angemessen erscheint. „Freiheit“ als zentrales Gut europäischer Aufklärung wird auf diese Weise nachgerade zum Unwert, könnte sie doch als Freiheit des Gedankens zur Kritik an der Überlieferung mißbraucht werden, was wiederum die Gefahr des  Höllenfeuers verstärkt. Das Freiheitspathos eines Posa, wie ihn Schiller im „Don Carlos“ entworfen hat, ist den heutigen Muslimen so fremd, so gotteslästerlich, wie es den katholischen Inquisitoren des 16. Jahrhunderts todeswürdig war.

„Freiheit“ des Individuums, auch als Glaubensfreiheit, ist aber in der Demokratie unabdingbar, weshalb sich auch die christlichen Kirchen lange gegen Demokratie und Menschenrechte gewehrt haben. Erkenntlich sind die monotheistisch-patriarchalen Strukturen überall ähnlich. Die Autorität des Vaters (Gott) ist so unantastbar für den Gläubigen wie die Würde des Menschen für den säkularen Westler. Erst die Zurückdrängung des Glaubens in den Raum des Privaten, am konsequentesten im französischen Laizismus geleistet, ermöglichte demokratische Herrschaftsformen. Davon ist der Islam dort, wo er Mehrheitsglaube und herrschende Kultur ist, weit entfernt – womöglich für alle Zeit..

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s