Islamophobie der Muslime (2)

„Die islamische Religion in ihren überlieferten Traditionen macht aus gläubigen Menschen engstirnige Besserwisser, ängstliche Untertanen und leider allzu oft für andersgläubige und nichtgläubige Mitmenschen gefährliche Zeitgenossen.“

Dieser Satz ist eindeutig so „islamophob“ wie Böhmermanns Erguß eindeutig ein „Schmähgedicht“ ist. Kein Zweifel. Er „diffamiert pauschal einen ganzen Glauben“. Vergeblich suchen wir ihn aber im Parteiprogramm-Entwurf der AfD. Vielmehr werden wir fündig beim angesehenen türkischstämmigen deutschen Autor  Zafer Senocak (DLF-Interv.). Senocak ist Muslim. In seinen Augen und nicht in denen von Frau von Storch ist der „Islam wirklich ein Gespenst geworden – und ein Monster“. Der CDU-Mann Franz Josef Jung, ein selbsternannter Islam-Experte, von dem der obige pauschalisierende Satz über das pauschale Diffamieren eines ganzen Glaubens stammt, müßte konsequenterweise den Muslim Senocak der Volksverhetzung bezichtigen. Jung gehört zu jener Nebelwerfer-Brigade deutscher Politiker zwischen ganz links bis CSU, die im Nebel fleißig bittere Wahrheiten gegen verblödende Phrasen im Dienste einer multikulturellen Harmonievision austauschen.

Es ist zwar eine Schande, aber wir müssen leider der AfD zustimmen, daß der Islam keine Religion wie das heutige Christentum ist, sondern eine mit dem Grundgesetz nicht vereinbare, aus dem frühen Mittelalter stammende und dort im wesentlichen verharrende  Ideologie. Der grundlegende Gedanke, das politische Herzstück dieser Religion ist die Theokratie, nicht die Demokratie. Der „Islamische Staat“ etwa steht fest auf dem Boden islamischer Grundüberzeugungen. Demokratie ist nicht die Herrschaft des einzigen Gottes –  daher Sünde. Basta! Herr Jung hat noch viel zu lernen.  Daß die in Deutschland lebenden Muslime momentan keinen Gottesstaat erstreben, tut wenig zur Sache. Houellebecq hat sich schon mal ausgemalt, wie die Machtverhältnisse sich ändern könnten, wenn die „christlichen“ Politiker lieber die Religion als solche verteidigen wollen als die Aufklärung und mit ihr die Menschenrechte. Die haben nun wirklich „mit dem Islam nichts zu tun“.

Eine der scharfsinnigsten Kritikerinnen der westlichen Appeasement-Politik ggü. dem Islam, Ayaan Hirsi Ali, eine Migrantin aus Somalia und ehemalige Muslima, fragt in der FAZ (18.4.) angesichts der muslimischen Einwanderer: „Wie kann der Westen westlich bleiben?“ In ihrer Autobiografie, die von 10 Jahren erschien, hatte Hirsi Ali, damals Abgeordnete im niederländischen Parlament, bei vielen gutmenschlichen Holländern eine seltsame Verklärung der Kultur, aus der sie stammte, bemerkt. Man hielt ihr Vorträge etwa darüber, „daß die islamische Kultur nicht im mindesten zur Gewalt gegen Frauen auffordere; das sei nur ein schreckliches Mißverständnis“. Hirsi Ali ging es damals, wie sie in ihrer Autobiografie schreibt, darum, „daß sich Regierungen und Gesellschaften nicht mehr hinter dem hohlen Vorwand der Toleranz verstecken dürfen, sondern das Problem (das der Islam mit der säkularen Gesellschaft hat) erkennen und sich ihm stellen müssen“. Heute sieht Hirsi Ali den Westen vor der Frage: Freiheit oder Sicherheit?  lehnt aber ein Entweder-Oder ab. Sie fordert neue Verfahren für den Umgang mit muslimischen Einwanderern: neue Maßnahmen zur Beschleunigung der Integration, ein energisches Vorgehen gegen die Zentren islamistischer Indoktrination, wirksame Verfahren zur Abschiebung und effizientere Strafverfolgung. Schließlich sollten die Europäer nicht so tun, „als wäre die Stabilität der muslimischen Welt das Problem anderer Leute“. Wir sollten begreifen, schreibt sie, daß wir im Krieg sind. „Es ist zwar ein asymmetrischer Krieg, aber wir können die Ereignisse von Paris und Brüssel nicht mehr als einzelne Terrorakte abtun.“

Die hellsichtigen, mit dem Islam und seinen versteinerten Gottes- und Geschlechterbildern zutiefst vertrauten, immer noch gläubigen oder ehemaligen Muslime (Hirsi Ali ist Atheistin), sind heute die glaubwürdigeren Analytiker und Zeugen einer  sich zunehmend radikalisierenden Weltanschauung, die weit mehr sein will als der Glaube an den einen Gott. Sie vereinnahmt ihre Gläubigen in einer Weise, von der sich Politiker offenbar mangels Vorstellungskraft kein Bild machen können. Sonst würden sie Suizid-Bomber nicht „Verbrecher“ nennen. Houellebecqs Roman „Unterwerfung“ ist nicht islamkritisch, sondern  wendet sich vor allem gegen jenen Geist, der sich aus Bequemlichkeit oder Ignoranz nicht in der Lage sieht, die Errungenschaften der europäischen Aufklärung zu verteidigen.  .

 

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Eine Antwort zu Islamophobie der Muslime (2)

  1. Nobody schreibt:

    Toleranz ist darf keine Einbahnstraße sein. Jeder darf hier Burka tragen, aber wenn meine Tochter in Riad Hotpants tragen würde, wäre die Hölle los. Jede Toleranz (was Ertragen bedeutet) MUSS irgendwann in eine Akzeptanz münden, sonst gibt einer immer und ein anderer nimmt ständig, das geht auf Dauer nicht gut. Die jüngsten Äußerungen der AfD sind zurecht auf Ablehnung gestoßen, allerdings wieder aus diesem unreflektierten Gutmenschentum der jede inhaltliche Debatte im Keim erstickt. Diese Debatte ist dringend erforderlich. Ich mutmaße mittlerweile, dass dem Nachkriegsdeutschen epigenetisch soetwas wie ein vorauseilender Konfliktvermeidungskeim gepaart mit „wir-müssen-doch-unsere-Kollektivschuld-abtragen“ zu blinden Gutmenschen macht, der nicht fähig ist Dinge klar zu sehen, weil es sich mit dieser großen Schuld nicht geziemt Grenzen zu haben. Irgendwie so. Ich sage „den Deutschen“ (meinen Leuten): „die Schuld ist so groß, dass wir die niemals und durch nichts werden abtragen können. Niemals“.
    Im Mittelmeer werden immer weiter 100e und 1.000e ersaufen, WEIL Mutti sie ruft. Das ist indirekte Schuld. Neue Schuld. Wir müssen ganz dicke Bretter bohren. Nordafrika z.B. So entwickeln, dass es sich dort lohnt zu leben. Einen Speckgürtel um Europa legen, damit die Menschen dort leben und arbeiten können. Selbstbestimmt und selbstbewusst. Wer etwas hat für das es sich zu leben lohnt, braucht keinen IS und schnallt sich auch keinen Sprengstoffgürtel um.

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