Wo liegt Molenbeek?

Parallelen werden definiert als zwei Linien, die sich im Unendlichen treffen. Wenn die Metapher von den „Parallelgesellschaften“ etwas Richtiges meint, dann werden die Probleme, mit denen sich Europa gegenwärtig herumschlägt, zukünftig nicht kleiner. Im Gegenteil. Die Unendlichkeit ist zeitlich zu denken. Molenbeek, wo man sich als gejagtester Terrorist  Europas monatelang unsichtbar machen kann, obwohl man anwesend ist, ist noch nicht überall, aber in Duisburg-Marxloh, in Dinslaken, in Neukölln, im Dortmunder Norden – um nur ein paar deutsche Städte zu nennen, von englischen und französischen ganz zu schweigen – kann man die Parallelität der Gesellschaften schon seit einiger Zeit studieren. Auch dort zeigt der demokratische Staat wie in Molenbeek der belgische seine Hilf- ja Machtlosigkeit. Er muß sich, um seine Gesetze zu befolgen, an der Nase herumführen und verhöhnen lassen: „Ihr könnt uns gar nichts!“ Mehr Angst als vor den Menschen in ihren scharianischen, dschihadistischen, mafiösen Parallel-Welten haben die Repräsentanten des Staates vor dem Vorwurf des „Rassismus“ und der „Islamophobie“. Selbst schuld! Warum ziehen sie sich diese Schuhe an und hantieren selbst hilflos mit diesen sinnentleerten Begriffen? Das schlechte Ur-Gewisssen der ehemaligen Kolonialherren ist ein schlechter Ratgeber.

Wie eine schwanzeingeklemmte Entschuldigung, ja Selbstbezichtigung klingt die Erklärung des  Journalisten Ulrich Greiner in der ZEIT: „Auf die Gefahr hin, islamophob genannt zu werden, sehe ich das Problem im Islam, genauer gesagt in jenem Strom von Immigranten, die einer bedeutenden, aber vormodernen Kultur entstammen und die das Recht in Anspruch nehmen werden, ihrer Tradition treu zu bleiben.“ http://www.zeit.de/2016/12/konservatismus-konservativ-werte-landtagswahlen/seite-2  Werden sie – das kann man Herrn Greiner und auch Frau Merkel und Herrn Wulff versprechen. Sie werden ganz „vormodern“ zu einem parallelen Deutschland gehören. – Und was soll das „auf die Gefahr hin..“? Warum hat er Angst davor, von Leuten, die nicht mehr „Gutmenschen“ genannt werden dürfen, mit inflationierten Leer-Vokabeln beworfen zu werden? Greiner steht sehr prominent im Licht der Öffentlichkeit. Darum hat er Angst. Er muß Vorbild sein. Er beugt sich deshalb einer hysterischen Hypermoral, die er selbst so verinnerlicht hat, daß die Einwände seines gesunden Menschenverstandes ihm fragwürdig, wenn nicht amoralisch erscheinen. Aber immerhin – er wagt es, den Islam „vormodern“ zu nennen. Was für ein gelungener Euphemismus! „Vormodern“ ist auch der Vatikan, ist die ganze christliche Dogmatik, ist – bei Lichte besehen – jede Offenbarungsreligion. Vormodern sind Teile der CDU, die CSU fast in Gänze. „Vormodern“, auf den Islam bezogen, ist nichts als eine schlimme Verharmlosung.

Entweder der Islam wird durch eine nicht wahrscheinliche Aufklärung wie das Christentum in Europa in die Privatsphäre zurückgedrängt und so in der Öffentlichkeit, in der Politik marginalisiert oder er gibt Essentials preis, die in den Augen seiner Gläubigen zum Kernbestand ihrer Hoffnungen gehören. „Erst wenn der Islam seine Fixierung auf das Jenseits aufgibt,“ schreibt Ayaan Hirsi Ali, „wenn er sich von der verführerischen Legende vom Leben nach dem Tod befreit, wenn er aktiv für das irdische Leben eintritt und aufhört, den Tod zu verherrlichen, werden Muslime mit dem Leben in dieser Welt zurechtkommen.“ Diese Welt, kann man hinzufügen, wird dann die Welt auch der „Ungläubigen“ sein, die Welt aller Menschen und keine „parallele“. Aber Ayaan hat sich ihren Atheismus wenn auch hart erkämpft (man lese ihre Autobiografie) und kann so frei und diesseitig denken, wie sie immer wieder vorführt. Ihren ehemaligen Glaubensbrüdern und -Schwestern ist das nicht möglich, auch wenn sie glücklich in Europa angekommen sind. Sie brauchen ihren Glauben auch dort und deshalb brauchen sie die Parallelwelten, in der bezeichnenderweise die bei uns lebenden Japaner, Koreaner, Chinesen nicht leben müssen. Der Islam hat kein Problem mit der Integration – er ist als Islam, sofern er bleibt, wie er ist, nicht integrierbar. Deshalb kann er nur „parallel“ zu Deutschland gehören.

 

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