Unreine Stimmen

Zwei Filme aus den beiden rigidesten Theokratien der islamischen Hemisphäre – Iran und Saudi Arabien –  geben lebendige Einblicke in das, was Kamel Daoud das „sexuelle Elend“ der arabischen bzw. islamischen Welt genannt hat. Neu ist der iranische Film „No Land’s Song“; 2013 erschien in den Kinos der erste saudi-arabische Spielfilm  „Das Mädchen Wadjda“ und wird aktuell im Fernsehen gezeigt. Bei „No Land’s Song“ geht es zentral um die weibliche, die singende weibliche Stimme im öffentlichen Raum vor den Ohren männlicher Hörer.

Seit der islamischen Revolution ist im Iran der weibliche Sologesang verboten. Im Film, der die Entstehung eines Konzerts zum Thema hat, fragt die junge Sängerin Sara einen Religionslehrer nach Gründen für das Verbot. Der Lehrer beruft sich nicht auf den Koran oder den Propheten, sondern auf Psychologie, auf ein Männerbild ganz spezieller Art. Die weibliche Stimme könne den Mann aus dem Gleichgewicht bringen, erklärt er der jungen Frau, die solches nie beabsichtigen würde. „Wir sollen nichts essen und trinken, was uns aus der Bahn wirft und berauscht,“ erläutert der fromme Lehrer. „Ebenso sollte ein rechtschaffener Mann, der einfach nur Musik hört, keine sexuelle Erregung spüren“. Die Reize der Musik und der weiblichen Stimme könnten nämlich den Mann sexuell erregen.

Der psychologisierende Lehrer ist in diesem Falle kein Schüler Mohammeds, sondern Pawlows. Das ist der mit dem Hund und den bedingten Reflexen. Der Lehrer hat entweder an sich selbst oder an anderen Männern beobachtet, daß bei jedweden sinnlichen Erscheinungsformen von Weiblichkeit, also auch beim Hören weiblicher Stimmen, sowohl der Speichelfluß als auch der Blutstrom zu den Schwellkörpern des Membrum virile unkontrollierbar ausgelöst wird. Der Wunsch, Unerlaubtes zu tun, etwa Ehebruch oder Vergewaltigung, wäre unabwehrbar. Auch das elfjährige Mädchen Wadjda wird von ihrer Mutter streng ermahnt, auf der Straße nicht laut zu reden, gar zu singen, denn solches habe unberechenbare Auswirkungen auf die Männer da draußen. Deren Selbstbild entspricht offenbar dem des Pawlowschen Hundes, hätte der denn eins. Ihre Sexualität schrumpft auf bedingte Reflexe zusammen, und weil sie nichts anderes kennen, vor allem keine lebendigen, berührbaren Frauen, die man umarmen könnte, bleibt ihnen nur das totale Ausblenden von Weiblichkeit. „Wer aber eine kranke Beziehung zur Frau hat, hat auch eine kranke Beziehung zur Welt,“ schlußfolgert Kamel Daoud.

Krank sind aber nicht nur die Männer. Die Mädchen, die in Teheran aufwachsen, schildert Sara, kriegen schon in der Schule zu hören: Ein gutes Mädchen hält den Kopf gesenkt und sagt: Ja. Solche guten Mädchen sind verstümmelte Geschöpfe, denen sogar das Nein-Sagen verboten ist, eine Möglichkeit, die ihnen in anderen Kulturen als eine gewisse Freiheit bleibt. Wer sich in der europäischen Kultur- und Geschlechtergeschichte aber ein  wenig auskennt, wird bei solchen Einsichten in die Welt des Islam an vieles erinnert, was er aus der westlichen bzw. christlichen Kultur kennt als Folge religiöser Indoktrinierung und patriarchalischer Anmaßung. Es gibt keinen Grund, sich über das deplorable Menschen- und Selbstbild der Muslime zu erheben. Die sexuelle Not muslimischer Männer hat ihre Entsprechung in der „Not“ tausender Kleriker, die ihre „Sehnsucht nach Nähe“ durch Mißbrauch ihrer Zöglinge befriedigen.

Krank sind nicht nur die Menschen, krank ist die Kultur, vor allem die Religionen, die solche seelischen Verkrüppelungen – man könnte sagen: als Voraussetzung ihrer Daseinsberechtigung – produzieren. Der Islam hat nur den Anschluß verloren an Entwicklungen, die die Zivilisierung der abrahamitischen Geschwister möglich machte. Deshalb erzeugt er nicht nur die Krankheit – er ist sie.

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