„Frauen sind keine Opfer“

entgegnete mir kürzlich eine Freundin apodiktisch auf meine Bemerkung, die Frauen unter den Flüchtlingen seien sozusagen „doppelte Opfer“ – sowohl des Krieges wie vieler mitflüchtender Männer (-> DREYZACK: Frauen und Kinder zuerst). Frauen sollten sich – hatte die Freundin gemeint – überall von der Opfer-Rolle lösen, befreien von Demut und Unterwerfung in einer von Männern sowohl physisch wie politisch wie religiös dominierten Welt. Es scheint aber, als könne dies nur in säkularen Gesellschaften, wenn überhaupt, gelingen. Wo immer ein religiöser Glaube als Ideologie des Patriarchats das Welt- und Selbstbild der Menschen beherrscht, sind solche Aufforderungen wohlfeil.

In Gegenden aber, wo Glaubenskrieger der konsequentesten Fraktion, die Mohammed-Nacheiferer des „Islamischen Staats“, den Frauen des Volks des Jesiden die unfaßbarsten Leiden und Demütigungen zuteil werden lassen, gerade dort geschieht, daß diese „ehrlos“ gewordenen, vielfach vergewaltigten meist sehr jungen Mädchen und Frauen die Opfer-Gestalt von sich streifen, selbst zu den Waffen greifen und an der Seite der Peschmerga gegen ihre frommen ehemaligen Peiniger kämpfen. Diese Frauenbataillone der Kurden, zu denen sie gehören, erregten unterdessen viel Aufsehen und Bewunderung.

Man mag hoffen, daß ihnen diese Bewunderung als Wiederherstellung ihrer „Ehre“ auch nach den Kämpfen zuteil werde, aber Skepsis ist angebracht in Gesellschaften wie auch der jesidischen, deren Reinheits- und Ehrbegriff ein magisch-archaischer ist. Die Ehre ist die physische Unversehrtheit des weiblichen Körpers, nichts Ideelles, und die läßt sich nicht wieder herstellen. Die Ehre nicht und auch die bedingungslose  Wiederaufnahme in die Gesellschaft der „Ehrbaren“ nicht. So ging es den Vergewaltigten der Balkankriege, die vielfach von ihren Familien verstoßen wurden. Die jesidischen Mädchen, denen der „Ehrverlust“ in brutaler Weise ohne eigene „Schuld“ widerfuhr, wagen vielfach nicht, ihren Verwandten die Wahrheit über ihr Schicksal zu berichten . „Bis heute weiß mein Vater nicht, daß ich keine Jungfrau mehr bin,“ heißt es im Bericht einer dem IS Entflohenen. Reinheitswahn und Jungfräulichkeitskult sind bei IS-Tätern und jesidischen Opfern nahezu identisch. Wir finden ihn ja auch im katholischen Marienkult, wenn auch nachaufklärerisch sublimiert und mit weniger tiefgreifenden Konsequenzen für das Selbstbild der meisten Frauen.

Diese mentalen Strukturen sind kulturelle „Replikatoren“ (einige Wissenschaftler wie R. Dawkins und D.C.Dennett sprechen von „Memen“), die durch Generationen vererbt werden wie Gene, sich aber wie diese auch mutierend verändern können. Veränderungen vollziehen sich in ausgedehnten Zeitspannen „hinter dem Rücken“ der Menschen und können von diesen nur sehr begrenzt beeinflußt werden. Das wird es den Frauen in den meisten Gegenden der Welt, aber auch in Deutschland, das ja angeblich bereit ist, den Islam zu integrieren, weiterhin erschweren, die Opferrolle und -Pose abzulegen. Je mehr „Islam-Meme“ in einer Gesellschaft, um so weniger Fähigkeit in ihr zur Veränderung durch Öffnung zur Vielfalt (Homosexuelle, Frauen, Andersgläubige, Atheisten). Die heute geforderte Offenheit dem Islam gegenüber mißversteht diesen gern als Religion wie andere. Das ist er aber nach seinem Selbstverständnis nicht. Demzufolge war Mohammed das „Siegel der Propheten“, der letzte der Propheten, dem die letzte und endgültige Wahrheit zuteil wurde. Wer immer den Ernst muslimischer Gläubigkeit als vorbildlich auch für moderne Christen rühmt, sollte die Inhalte nicht vernachlässigen. Würden sie so ernsthaft durchgesetzt, wie es gerade in Pakistan, Saudi-Arabien, in Syrien, im Irak, im Maghreb und anderswo in Allahs Welt geschieht, dann könnte die Kanzlerin mit einigem Recht sagen: „Dies ist nicht mehr mein Land.“

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu „Frauen sind keine Opfer“

  1. Said schreibt:

    Unter Umständen wäre es fruchtbar, einmal die Rolle der Religion bei der Unterdrückung der Frau zu hinterfragen. Auch in einer weitgehend säkularisierten westlichen Welt kommen verdrängte Triebentladungen durch die Hintertür in ebenso menschenunwürdiger Weise. Dies ist beispielsweise wunderbar anschaulich in einem akutellen Interview mit einer professionellen Domina beschrieben:
    http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/jeder-mann-moechte-einen-harem/story/18206041

    Die Sexualität bleibt eben von der Säkularisierung unangetastet, hier helfen, man staune, tatsächlich nur Tabus in Form von gesellschaftlichen Normen. Hierzu müssen Männer und Frauen motiviert sein, Änderungen in Kauf zu nehmen, an sich und der Gesellschaft zu arbeiten. Die Motivation hierzu fällt leider nicht vom Himmel – vielleicht aber doch: Wie sagt man so schön? Der Glaube kann Berge versetzen.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s