Konservative Revolution

Die übriggebliebenen Achtundsechziger erinnern sich noch, wie plötzlich man in den 70er Jahren zum „Verfassungsfeind“ werden konnte. Die Konsequenz konnte etwa sein, daß man nach erfolgreich abgeschlossenem Studium nicht zum Lehramt zugelassen wurde. Die von den Verfassungsfeinden vorgetragene Kapitalismus-Kritik hätte leicht die Schülerhirne verwirren und das Sich-Formieren zur einer „formierten Gesellschaft“ – ein Traum von Bundeskanzler Erhard in den 60er Jahren – blockieren können.

Jetzt beschwören „liberal-linke“ Medien wie die ZEIT die Gefahr einer „konservativen Revolution“ herauf, einen Sturm auf die Bastille korrekten Denkens, von wo die anständige Mitte der Gesellschaft in ermüdender Monotonie ihre Wortschrapnelle des Typus „Generalverdacht“, „Islamophobie“, „Rassismus“ etc. in die heranstürmende bösmenschliche Menge feuert. Diese wird neuerdings von Intellektuellen wie Sloterdijk und Safranski und den Machern des CICERO angeführt. Bisher waren die Rechten nur doof wie die NPD – jetzt haben sie eine intellektuell beachtliche Vorhut, und das macht sie gefährlich. So der von einigen Zynikern böswillig so karikierte „Osservatore Romano der Linken“ (aka DIE ZEIT) . Dort beobachtet man auf der „rechten“ Seite der Gesellschaft etwa „ein intellektuelles Freikorps entgleisten Denkens“ – und da sind dann die Goebbels-Vergleiche nicht mehr weit..

Die uralte Links-Rechts-Schematisierung der politischen und moralischen Welt macht das Leben und Arbeiten von Gegenwartsanalysten in den Medien zwar leichter, indem sie für die Reduktion von Komplexität sorgt, aber bezahlt wird solche Reduktion in der Regel mit jener schrecklichen Vereinfachung, gegen die Intellektuelle von Berufs wegen eigentlich kämpfen sollten. Warum sind Islam-Kritiker „Phobiker“? Warum sind Beobachter, die auf gravierende Menschenrechtsverletzungen in der arabisch-islamischen Welt hinweisen, „Rassisten“? Hinter solchen Zuweisungen steckt immer eine Art Verschwörungstheorie. Solche Kritiker und Beobachter verbärgen hinter ihrer neutral, ja rational erscheinenden Wortwahl einen irrationalen Haß auf alles Fremde. Diesem Schema zufolge ist jeder, dem beim Anblick der kollabierenden Zwillingstürme oder der Leichen im „Bataclan“ das Entsetzen in die Glieder fuhr, ein geheimer Rassist, weil er sich nicht verkneifen konnte, die Täter einer definierbaren Gruppe zuzuordnen. Jetzt eben wird der Algerier Kamel Daoud als eben ein solcher rassistischer Nestbeschmutzer beschimpft und bedroht, weil er die Unterdrückung der Frau im Islam benennt und beklagt. Die islamische Frau „befreien“ zu wollen, sei Kulturchauvinismus, behaupten seine Kritiker. Sie sei innerhalb der Grenzen ihrer Kultur nämlich gar nicht unfrei. Mohammed, so kann man sogar lesen, sei einer der ersten Feministen gewesen.

Um der schrecklichen Vereinfachung ansatzweise zu entgehen, ist mit Blick auf die Flüchtlingskrise eine Auseinandersetzung mit der Kultur der islamischen Welt in ihren verschiedenen Facetten nötig. Dann wird möglicherweise klar, daß die geflüchteten Frauen (und Kinder) „andere“ Flüchtlinge sind als die alleinreisenden Männer. Die Frauen tragen das Stigma ihrer Minderwertigkeit und permanenten auch sexuellen Gefährdung bis in die Heime und Unterkünfte, wo sie sich weiterhin zu verhüllen haben. Die Männer zeigen häufig auch im Land der Mutter Merkel, daß sie ihre unverhüllten Privilegien als Männer nicht preisgeben wollen, sowenig wie den Teil der Kultur, der sie nach Allahs Willen privilegiert. Das ist nicht eine fixe, abzutrainierende Idee, sondern ein Existential. Einige islamophobe Beobachter hegen nun den Verdacht, daß eine „Entkulturalisierung“ muslimischer Männer so etwas wäre wie „Entwurzelung“. Sie können, wollen sie ihren Glauben nicht preisgeben, gar nicht „lernen“, daß etwa Männer und Frauen gleichwertig bzw. -berechtigt sind. Im Koran steht das Gegenteil. Und weil sie, ihrer Kultur entsprechend, den Koran ganz anders lesen und verstehen als Durchschnittschristen die Bibel, haben sie bis auf Ausnahmen nur die Chance, in Parallelgesellschaften abgeschottet von den Ungläubigen zu überleben. Dort schlagen sie die Wurzeln, die völlig auszureißen eine Art kulturellen Tod bedeuten würde.

NB.: Dem Autor ist das Ausmaß seiner Generalverdächtigungen in diesem Artikel bewußt, und er schämt sich für sie.

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