Unabdingbares Opfer

Ein Opfer, das durch kein anderes ersetzt werden kann, müssen alle Gläubigen aller Religionen ihrem Gott, ihren Göttern bringen: das Sacrificium intellectus – das Opfer ihres Verstandes. Unterwerfen müssen sie sich dem offenbarten Wort des Vaters, der heiligen Überlieferung, auch wenn sie dessen bzw. deren höheren Sinn nicht einzusehen vermögen. Nun haben die einen mehr, die anderen weniger zu opfern. Manche verstehen nichts vom göttlichen Wort und opfern ihren Verstandesrest, weil es sich um das göttliche Wort handelt. Danach fehlt ihnen nichts. Denen, die mehr oder gar  viel opfern, werden mit recht erwarten, daß ihr Opfer Sinn macht, daß es belohnt werde. Daß man aber schon auf Erden solche Opfer wie das des eigenen Lebens bringt, obwohl man mit Verstand klar sehen könnte, daß sie sinnlos sind, wirft die Frage nach dem Ursprung solcher Opferbereitschaft auf.

Unter den Monotheismen ragt der Islam als Religion mit dem höchsten, ja grausamsten Opferanspruch heraus. Er verlangt neben dem des Verstandes gegebenenfalls das Opfer des diesseitigen Lebens, um im jenseitigen um so großartiger belohnt zu werden. Er bedroht die von Allah wegen Ungläubigkeit Auserwählten mit ewigem Feuer: „Brennet in ihm und haltet aus oder nicht aus, es ist gleich für euch; ihr werdet nur für euer Tun belohnt  / Siehe, die Gottesfürchtigen kommen in Gärten und Wonne.“ (Sure 53, 18f). Will sagen: (sofern sie männlich sind) ins himmlische Bordell. Die Konsequenzen, die sich aus einer solchen Opferung von Verstand und Leben ergeben, sind täglich in Berichten über Selbstmordattentäter zu bestaunen – jüngst noch in Paris.

Wenn wir auch befremdet sind angesichts solchen sakral konnotierten Irrsinns, so müßten wir um so mehr uns wundern, daß es in der westlichen Welt, in Europa, in Deutschland im Zeitalter universeller Informationsmöglichkeit Menschen in verantwortlichen Positionen gibt, Politiker und bestallte Denker, die glauben, Anhänger dieser Religion integrieren zu können, ohne ihnen die Religion zu nehmen. Mögen auch die Berührungsflächen und Abhängigkeiten zwischen Islam und Christentum einmal unübersehbar gewesen sein, heute hat das Christentum in der Lebenswelt der meisten Europäer einen völlig anderen Stellenwert als der Islam im Leben der Muslime. Ihnen ist jedes Hinterfragen verboten. Der christliche Mythos dagegen hat sich seit längerem als Mythos bestätigt, das Christentum wird als solcher, als kulturelles Konzept weiterhin von der Mehrheit der Europäer und Amerikaner bewundert, auch von bibelfesten Atheisten. Die Muslime halten unser Mythos-Konzept aber für verabscheuungswürdigen Unglauben. Wie der Philosoph Slavoj Zizek einmal bemerkte, ist für einen gläubigen Muslim ein Mensch, der die Existenz Gottes in Frage stellt, schlechterdings verrückt, schlimmer: er ist kein Mensch, sondern ein Monstrum. Das Opfer, das westlich-aufgeklärte Menschen zu bringen nicht bereit sind, macht sie in den Augen strenggläubiger Muslime zu Feinden – Allahs und der Menschheit.

Wir müssen uns als gezwungenermaßen Islamophobiker, zu denen die Franzosen im Verein mit anderen  Europäern längst geworden sind , vergegenwärtigen, daß die zukünftigen Märtyrer unter uns wohnen, wie die Gruppe um Mohammed Atta unerkannt in Hamburg lebte, ehe sie in die USA umsiedelte. Islamophobie ist spätestens seit 9/11 keine Geisteskrankheit mehr.

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2 Antworten zu Unabdingbares Opfer

  1. Said schreibt:

    Der Ursprung der Opferbereitschaft wurde von Freud in T&T weitestgehend stringent untersucht: mit anderem Ergebnis als hier suggeriert wird. Es ist gerade nicht die Hoffnung auf angemessene Entlohnung (modern: „Return of Invest“, RoI), die die Opferbereitschaft ausmacht. Vielmehr ist der Opfervollzug ein sakraler Akt, der einerseits die Bande der Brüderlichkeit stärken und andererseits die Götter und Toten gnädig stimmen soll. Das „Sakrale“ ist so zu verstehen, dass es ein inneres Bedürfnis zum Opfern gibt, das dem Tabubruch sowie einer Erhöhung durch infantile Omnipotenz entspringt. Dies ist ein wesentlicher Unterschied zu einer Art Vorleistung, der nach Vollendung die entsprechende Entlohung folgt.

    Der Aspekt der Brüderhorde ist in diesem Zusammenhang vielleicht sogar der Bedeutsamere: In der Glaubensgemeinschaft wird der kollektive Verzicht „geübt“ – im Wahrsten Sinne des Wortes. Freud sieht hierin die Chance einer Weiterentwicklung, einer Überwindung:

    „Eines Tages taten sich die ausgetriebenen Brüder zusammen, erschlugen u n d verzehrten den Vater und machten so der Vaterhorde ein Ende. Vereint wagten sie und brachten zustande, was dem einzelnen unmöglich geblieben wäre. (Vielleicht hatte ein Kulturfortschritt, die Handhabung einer neuen Waffe, ihnen das Gefühl der Überlegenheit gegeben.) Daß sie den Getöteten auch verzehrten, ist für den kannibalen Wilden selbstverständlich. Der gewalttätige Urvater war gewiß das beneidete u n d gefürchtete Vorbild eines jeden aus der Brüderschar gewesen. N u n setzten sie i m Akte des Verzehrens die Identifizierung mit ihm durch, eigneten sich ein jeder ein Stück seiner Stärke an. Die Totemmahlzeit, vielleicht das erste Fest der Mensch- heit, wäre die Wiederholung u n d die Gedenkfeier dieser denkwürdigen, verbrecherischen T a t , m i t welcher so vieles seinen Anfang nahm, die sozialen Organisationen, die sittlichen Einschränkungen und die Religion.“
    Aus Totem und Tabu.

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  2. neptun16 schreibt:

    Es ist hier von einer Form des Opfers die Rede, die im religiösen Kontext erst nach der Verkündigung der Unfehlbarkeit des Papstes (1. Vatikanum 1869/70) als Zurückstellung eigener Vernunftgründe (Sacrificium intellectus) gefordert wurde und dem sich nicht wenige Theologen verschrieben. (Etwas ähnliches gibt es in der islamischen Schia). Vor allem Nietzsche hat darauf kritisch hinsichtlich des ganzen Christentums Bezug genommen. Mir kam es angesichts des gegenwärtig inflationär aufgetretenen Phänomens des Suizid-Bombers darauf an, dessen Wurzel auch in der sakralen Opfer-Tradition und in der religiös begründeten Sexualunterdrückung aufzuspüren. Suizid-Bomber sind eben keine „Verbrecher“, sondern gläubige, sogar sehr gläubige Menschen, die ins Paradies auf dem schnellsten Wege wollen, um dort sofort auf spezifisch sexuelle Weise belohnt zu werden. Dieser ganz und gar islamische Aspekt innerhalb der sog. asymmetrischen Kriegsführung wird m.E. viel zu wenig beachtet. Freuds Ansatz bezieht sich auf die Menschheitsgeschichte insgesamt und meinte weniger die Vernunft. Ihm hätte allerdings die Herleitung des suizidalen Bedürfnisses der sog. „Märtyrer“ aus verdrängter Sexualität und durch Überwindung „vernünftiger“ Gegengründe gefallen. Bekanntlich deutete er Religion als „allgemein menschliche Zwangsneurose“ (Zukunft einer Illusion), deren Ätiologie in unterdrückter Sexualität (Analität, Sadismus) nicht schwer auszumachen ist. Der Islam ist für die heutige Lebenswirklichkeit vor allem junger Männer ein System einer als grausam empfundenen Sexualunterdrückung, wie gerade zu besichtigen war.

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