Die gute Bombe

Der Teufel wollte (wie Goethes Mephisto) das Böse und schuf – den Frieden. Wenigstens den zwischen den großen Mächten bzw. Blöcken seit 70 Jahren. Das „Gute“, das Geschenk Satans, ist die Atombombe. Wäre es je gelungen, wie es dem Wunsch Obamas und vieler anderer einmal entsprach, eine atomwaffenfreie Welt zu schaffen, würde spätestens jetzt, aber vielleicht auch schon anläßlich der Ukraine-Krise der Dritte Weltkrieg über die Menschheit hereingebrochen sein, der den Zweiten weit in den Schatten gestellt hätte. Viele begreifen das in der aktuellen Lage, und manche wagen es auch auszusprechen wie der Rundfunkmann Fritz Pleitgen in einer Fernsehdiskussion anläßlich der Syrien-Krise: „Stellen Sie sich vor, wir hätten keine atomaren Waffen, dann stünden wir schon an der Schwelle zum neuem Weltkrieg.“

Stephen Pinkers Glaube an die lernfähige Menschheit (-> DREYZACK: „Böse Engel“), die zur Friedenseinsicht auch ohne die Drohung des eigenen Untergangs kommen könnte, ist eben wirklich ein „frommer“ Glaube. Die Menschheit hat das Zeug zu einem globalen Suizid-Bomber. Der Gürtel ist umgebunden, aber noch zögert sie. In Kulturen wie der islamischen und der russischen denkt man wie früher auch der Westen immer noch in Kategorien des Krieges. Der Islam ist von den Freuden des Paradieses besessen und die wieder gläubig gewordenen Russen von der Idee des süßen Sterbens für die „Heimat“. Nur die ungläubigen, der materiellen Welt verfallenen Westler fürchten sich vor dem Tod. Das macht ihre Schwäche aus. Sie werden weder mit Jungfrauen noch mit dem ewigen Anblick Gottes belohnt.

Solche Versprechungen sind vor allem in fundamentalistischen Welten verbreitet und beliebt. Dort ist „Gott“ oder die Religion allein schon deshalb gefährlich, weil sie den Wert des diesseitigen Lebens diskreditiert – vor allem bei denen, die hinieden nichts haben und nichts erhoffen. Der arabische Frühling ist auch deshalb in einen Winter umgeschlagen, weil, wie in Ägypten, die zur Wahl gerufenen Massen Freiheit für eine Ausgeburt von Iblis, dem Teufel, hielten und glaubten, das moralische Subjekt löse sich mit der Freiheit des Individuums auf. Deshalb wählten sie die Muslimbrüder oder flüchteten sich irgendwie sonst zurück in die Gedankensklaverei des Islam. Von höllischen Strafen nach dem Jüngsten Gericht bedroht, wählten die die „Unterwerfung“ schon im Diesseits. Zu der gehört auch die Unterwerfung der Frau unter den Mann, und es bestätigt sich die schon von Marx und Bebel ausgegebene Losung, ohne Befreiung der Frau gebe es keine befreite Menschheit. Dieser Aspekt der „Krankheit des Islam“ (Abdelwahab Meddeb) sollte nie unterschätzt werden.

Ayaan Hirsi Ali faßt in ihrem Buch „Heretic“ (deutsch: Reformiert euch) die Essentials eines mit der modernen Welt kompatiblen Islam zusammen: „Gewissensfreiheit, Duldung von Unterschieden, Gleichheit der Geschlechter und Ausrichtung auf das Leben im Diesseits.“

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