Rassismus der Lebenswelt

Der Begriff „Rasse“ hat einen schlechten Ruf, aber er überlebt mit inflationär anwachsender Akzeptanz als Feindkennzeichnung im „Rassismus“. Wer anders denkt als ich, läuft Gefahr, als „Rassist“ verklagt zu werden. Rassisten sind nicht Leute mit einer nur abweichenden Meinung, ihre Abweichungen machen sie zu Bösmenschen. Darüber wird dann nicht weiter verhandelt.

Eine Stadt wie Ferguson in den USA ist ein Rassisten-Nest. Polizeigewalt dort wird als „rassistisch motiviert“ geschildert. Weiße Polizisten erschießen schwarze Jugendliche. Die Polizisten von Ferguson oder anderswo in den USA, die Kinder mit Spielzeugpistolen mir nichts dir nichts umlegen, haben noch nicht mitbekommen, daß es seit etwa einem halben Jahrhundert der UNO zufolge gar keine „Rassen“ mehr gibt. Es gab sie zwar früher auch nicht, aber man hat die Menschen unterschiedlicher Hautfarbe, Augenform, Kultur etc. nach „Rassen“ klassifiziert, ab- oder aufgewertet und sich auf wissenschaftlich sicherer Seite gewähnt. Die neuere Wissenschaft (Anthropologie, Soziologie) hat nun aber das rassenbiologische Konzept verworfen und festgestellt, daß heutige Erkenntnisse über die genetische Vielfalt der Spezies Homo sapiens traditionelle Rassenkonzepte ausschließen. Wunderbar!

Das kümmert die weißen Polizisten von Ferguson wenig. Sie sehen offenbar in jedem dunkelhäutigen Stadtbewohner einen Angehörigen der schwarzen „Rasse“ und damit potentiellen Feind und entsichern bei seinem Anblick ihre Waffen. Die Stadt wurde von Washington aus ermahnt, ihre Polizei umzuschulen, darauf hinzuweisen, daß, weil es keine Rassen gibt, man auch niemand erschießen darf, nur weil er schwarz ist. Umsonst. Der Südstaaten-Weiße (Generalverdacht!) hält daran fest, daß ein „Nigger“ eine Art Untermensch ist als Angehöriger einer minderwertigen Rasse. Jetzt hat Washington D.C. die Stadt Ferguson verklagt wegen schleppender Umsetzung vereinbarter Reformen und Versäumnissen bei der Schulung der Sicherheitskräfte. Auch das System der Rechenschaftspflicht sollte verbessert werden. Bekennt euren Rassismus!

Das Umschulen soll also ein Umdenken erzeugen, wie wir es etwa von unseren Refugees erhoffen. Aber was hat das „Denken“, die Arbeit der Großhirnrinde mit Alltagsvorstellungen und sozialpsychologischen Bedürfnissen nach Trennung zwischen Wir und die Anderen zu tun? Der tägliche lebensweltliche Rassismus bedarf keiner seriösen oder scheinseriösen wissenschaftlichen Begründung. Er ist ein Glaube, dem religiösen strukturell verwandt. Von Kindheit an Glaubende sind nur sehr schwer zu Ungläubigen zu machen, indem man ihnen wissenschaftliche Erkenntnisse wie den Darwinismus vor die Nase hält.

Seine wahre Brisanz erhält dieser Rassismus in den Köpfen aber erst dadurch, daß die amerikanische Gesellschaft eine Art Privatarmee unter Waffen ist. Polizisten, die ihren Streifendienst antreten, ziehen in den Krieg. Der Feind lauert draußen überall. Überleben kann nur, wer zuerst schießt. Und weil die „Rassen“, die es nicht gibt, sich gegenseitig alles Böse zutrauen, weil dieses Mißtrauen die ganze Gesellschaft, die aus bewaffneten Einzelkämpfern besteht, in verfeindete Lager und Untergruppen teilt, wird der untergründige Bürgerkrieg vorerst nicht aufhören. Der Rassismus-Vorwurf gegen die Polizisten lenkt also von der Wahnvorstellung eines „freien“ Amerikaners ab, der bewaffnet sein muß wie jene Männer, die den Westen eroberten, indem sie die Indianer bekämpften. An die Stelle der Indianer (auch eine fremde „Rasse“) sind gewissermaßen die Schwarzen getreten, die man aber nicht einfach nach Afrika zurückschicken kann. Sie bleiben, auch nach ihrer Selbstwahrnehmung, Fremde in dem Land, in dem sie zur Welt kamen. Was hilft es ihnen, daß sie der Wissenschaft zufolge schwarze Angehörige derselben Spezies Homo sapiens sind wie die schießwütigen weißen Cops – also deren Vettern oder Brüder?

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