Winterlicher Frühling

„al-Islam din wa daula“ – die heißt auf deutsch: Islam ist Religion und politische Macht. Und weil das so ist, hat der Islam qua Islamismus den arabischen Frühling gekapert. Er ist übergangslos zuerst in Syrien, dann im Irak, dann in Libyen zum Winter des Islamischen Staates geworden und breitet sich, getragen von hoffnungslosen, verarmten Massen Nordafrikas und des Nahen Ostens auch auf die Maghreb-Staaten aus, wo Millionen tief frustrierter junger Männer auf den Trip nach „Köln“ oder auf das Martyrium und das Glück im Paradies warten. Ohne Einschränkung, d.h. generalverdächtigend, kann vermutet werden, daß die Umma (die Gemeinschaft aller Muslime) den Übergang in die Moderne nicht schaffen wird, weil  diese Moderne nicht nur demokratisch, sondern tendenziell gottlos ist. Lange hielten sich die betreffenden Staaten in einer Zwischenwelt von Mittelalter und Moderne auf, indem sie zwar von „gottlosen“ Diktatoren regiert wurden, die aber die moderne, unislamische Pest der Demokratie zu verhindern wußten. . Als diese Machthaber fielen, übernahmen Muslimbrüder und Gotteskrieger diverser Brutalitätsgrade die Macht und schufen den gegenwärtigen Terror-Winter. Der breitet sich auch in Gestalt der Flüchtlingsströme gerade über Europa aus und bringt folgerichtig eine Welle rechter Gegen-Gewalt hervor.

Soviel zu den Bedingungen der Reformfähigkeit des Islam bis in die Gegenwart. Ayaan Hirsi Ali, die als Muslima geborene Somalierin und mit dem Tod bedrohte Apostatin, hat kürzlich (2015 in dem Buch „Heretic) noch einmal ausgelotet, welche Reformchancen es gegenwärtig für den Islam geben könnte. Sie nennt drei mögliche Ansätze: 1. Das auf der Basis der Informationstechnologie entstandene Netzwerk, das vor allem reformwillige, d.h. mittelständisch-gebildete Muslime in der islamischen Welt vernetzt. 2. Die Unfähigkeit der Islamisten, das Versprechen einer besseren Welt einzulösen, wenn sie an die Macht gelangen. Dies treibe dem Projekt einer Reformation neue Anhänger zu. 3. Die Herausbildung einer politischen Anhängerschaft des Reformgedankens in wichtigen islamischen Staaten – Heute, im Winter 2016, erscheinen solche Gedanken schon als zu optimistisch, ja wirklichkeitsfremd. Die Reformwilligen sind eine machtlose Minderheit und der Staatsterror etwa in Ägypten, Algerien und Marokko erzeugt neben dem syrischen Krieg den Druck, der die Flüchtlingswellen übers Mittelmeer schickt.

Eine letzte Hoffnung knüpft Hirsi Ali an die Erwartung, daß der Westen endlich „zur Vernunft kommt“, wie sie sich ausdrückt und damit auch den DREYZACK inspiriert: „In den letzten zwanzig Jahren gaben sich die westlichen Nationen aus Angst, kulturell unsensibel oder gar rassistisch zu erscheinen, alle Mühe, den Forderungen ihrer muslimischen Bürger nach einer Sonderbehandlung entgegenzukommen… Dennoch wage ich zu hoffen, daß die Ereignisse im Januar 2015 (Charlie Hebdo) zu einem Wendepunkt werden… In einer Zeit wie dieser verlieren Behauptungen, die ‚Extremisten‘ hätten mit der ‚Religion des Friedens‘ nichts zu tun, schlicht ihre Glaubwürdigkeit.“

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