Das unreine Geschlecht

Die WHO hat neue furchterregende Zahlen zur weiblichen Genitalverstümmelung vorgelegt und entgegen früheren Erwartungen einen steigenden Trend beobachtet. In Afrika und im Nahen Osten gibt es derzeit ungefähr etwa 150 Millionen verstümmelte Mädchen und Frauen. In Deutschland geht man von 50 000 in Migrantenfamilien aus. Ayaan Hirsi Ali hat schon in ihrer Autobiografie von 2006 („Mein Leben, meine Freiheit“) darauf hingewiesen, daß viele der verstümmelt in Europa lebenden Mädchen nicht in Afrika beschnitten wurden, sondern in Europa, mitten unter uns. Das hinter den WHO-Zahlen verborgene unvorstellbare Leid hat aktuell noch keinen „#Aufschrei“ jener feministischen Aktivistinnen hervorgerufen, die sich einst auf die Männer-Fraktion der Brüderlenianer stürzte, welche mit ihrer Schwäche für Dirndl-Dekolletés auffällig geworden waren. Diese tendenziellen weißen Vergewaltiger wurden dann auch ins Feld geführt, um die kölschen Nordafrikaner und Araber etwas aus der Schußlinie zu nehmen, um deren Silvestertaten als „kulturbedingt“ zu relativieren. Frau achtet eben fremde Kulturen, und die „Pharaonische Reinigung“, wie die Mädchenbeschneidung zynisch-euphemistisch auch genannt wird, ist eben ein Stück Kultur, über die wir Rassisten uns nicht zu erheben haben.

Der höchste Begriff des religiös-kulturellen Systems neben „Heiligkeit“ heißt „Reinheit“. Seine Geschwister sind „Keuschheit“ und „Jungfräulichkeit“. Die höchste Inkarnation dieser Tugenden wiederum ist die „Gottesmutter“. Sie empfing den Heiland durchs Ohr und war, wie eine Hebamme bestätigte, nach dessen Geburt immer noch unversehrt. So berichtet das Protoevangelium Jacobi (2. Jahrhundert), dessen Einfluß  wie auch der des ebenfalls apokryphen Thomas-Evangeliums (Kindheitsgeschichte Jesu) nicht nur auf den Volksglauben gewaltig war und ist. Auch Allah muß beide Evangelien zuvor gelesen haben, als er seine Maria und Jesus betreffenden Suren herabsandte. Auch für Allah ist Marias Rang durch ihre Jungfräulichkeit bestimmt. Wir sehen, daß „Reinheit“ für die meisten Kulturen mit religiöser (offenbarter) Basis unabdingbar ist.

Das hat verschiedene Konsequenzen. Alles was mit weiblichem Blut aus den Genitalien zu tun hat, ist per se unrein. Das weiß das Alte Testament, das weiß die katholische Kirche, die das Blut-Tabu zur Grundlage ihrer Verbannung der Frauen aus der Priesterklasse gemacht hat, ohne das offen auszusprechen. Daß überhaupt der Geschlechterunterschied für so wichtige Dinge wie den Zugang zu den Sakramenten die ausschlaggebende Rolle spielte und spielt, geht auf die archaische Vorstellung von der Frau als dem unreinen Geschlecht zurück. In strenggläubigen Kreisen der Orthodoxen Kirche ist menstruierenden Frauen heute noch der Zutritt zu Gottesdiensten verwehrt. In den afrikanischen Gesellschaften schließlich, die Mädchen flächendeckend verstümmeln, gilt das ganze weibliche Genitale, vor allem die für die Lust zuständige Klitoris, als „unrein“, schädlich, ja gefährlich. Sie sprechen dort von den „grauenhaften Genitalien“, als hätten sie Augustinus gelesen.

Reinheits-, Jungfräulichkeitswahn und Blut-Tabu verweisen auf die tiefgründige, wurzelhafte Verwandtschaft der Groß-Religionen auch mit den Stammeskulturen der sog. „Primitiven“. Magische Akte wie Taufe und Teufelsaustreibungen erhalten höchste Würde als Bestandteil des kirchlichen Alltagslebens und unterscheiden sich bei Licht besehen nicht von Regentänzen. Ohne Wunderglaube kommt keine Religion und kein Gläubiger aus. Woodoo ist überall. Es gibt keinen „Aberglauben“ – es gibt nur Glauben.

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Das unreine Geschlecht

  1. HirsiAli schreibt:

    Ja!
    Sehr schön! Ganz recht mal Brüderle in Relation zu der Verstümmelung zu setzen.
    Was Du vergessen hast: es sind ja i.d.R. die Mütter ubd Großmütter, diecdas ausführen, aber natürlich aufgrund des oben beschriebenen Wahnsinns

    Gefällt mir

  2. neptun16 schreibt:

    Richtig. Schon immer waren Frauen starke Stützen des Patriarchats, indem sie die Söhne, auf die sie traditionell stolzer waren als auf die Töchter, zu den Machos erzogen, denen sie sich früher (als ihren Gatten) selbst mit Leidenschaft unterworfen hatten. Einer meiner Lieblingsgedanken ist der Auszug aller von ihr verachteten Frauen aus der katholischen Kirche in Kombination mit einem Gebärstreik, der den Staat zwänge, die im Grundgesetz versprochene Gleichheit auch Realität werden zu lassen.. Aber was ist mit den Feministinnen, die quasi Partei für die Kölner Vergewaltiger ergreifen, indem sie sie zu „ganz normalen Männern“ erklären? Was mit den Tagesspiegel-Redakteurinnen, die in Köln zu Opfern gewordene Frauen verdächtigen, ihre Anzeigen aus rassistischen Motiven erstattet zu haben? Und dann ist da noch die Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken, die im Radio (ich hörte es zufällig) „Köln“ zum Mythos erklärte, wo „unsere deutschen milchweißen Frauen und fremde dunkle Männer“ den „Raub der Sabinerinnen“ nachgespielt hätten. Alles Kunst, alles Fiktion? Frauen, es ist zum Weinen! Immer schießt ihr euch (kein Generalverdacht!) selbst ins Knie. So wird das nichts mit der Befreiung.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s