Das Anderssein der Anderen

In den Medien häufen sich Berichte über Übergriffe von Muslimen in Asyleinrichtungen auf: Frauen, Homosexuelle, Christen, Konversionswillige, die sich taufen lassen wollen. Der Leser/Hörer schüttelt den Kopf und fragt sich, warum die, die vor Krieg und Terror flohen, so wenig Toleranz zeigen ggü. Leidensgenossen, die nur „anders“ sind, nämlich keine Muslime. Sortiert wird in den Heimen bewußt nicht nach Religion, sondern nach Herkunftsländern. In Deutschland ist Religion, sagen die Sortierer, Privatsache, und es gilt Religionsfreiheit. Basta. In Deutschland gibt es keine Scharia-Polizei (mehr), werden Frauen auf der Straße nicht angegriffen, weil sie kein Kopftuch tragen – in den Heimen aber wohl. Und wer dort beim Nicht-Beten ertappt wird, wird nicht selten als Ungläubiger und ergo als Feind beschimpft, obwohl Beten für uns nun wirklich Privatsache ist. Wer sich bei uns taufen lassen will, soll sich doch taufen lassen, sagen die deutschen Religionsfreien. Nein, sagen Muslime (nicht „die Muslime“ – kein Generalverdacht bitte!): Wer sich von Allah abwendet, begeht ein todwürdiges Verbrechen.

Es stimmt, es gab Zeiten, da verbrannte man auch im Namen Christi die Ketzer und die Ungläubigen. Die Muslime sind eben unsere Vettern. Und Mose ließ die Anbeter des Goldenen Kalbes abschlachten. Die Juden sind unsere Brüder. Aber kein Jude wird wegen goldener Kälber, die er etwa als Kapitalist anbetet, mehr geschlachtet. Kein Häretiker in christlichen Landen mehr vor der Inquisition gezerrt und sodann geteert und gerädert. Anders in arabischen Ländern. Dort wird wegen Abfall von Allah noch eingesperrt und mit der Peitsche geschlagen, fleißig enthauptet und gesteinigt (Saudi-Arabien sucht per Anzeigekampagne gerade neue Henker). Wer den Propheten beleidigt, wird erschossen – nicht aus persönlichen Rache- oder kriminellen Motiven, sondern aus Frömmigkeit. Der eigene Tod wird dabei gern in Kauf genommen, geradezu gesucht, denn „der Nießbrauch der Welt ist winzig, und das Jenseits ist besser für den Gottesfürchtigen“ (Sure 4/79). Eine Religion des Todes, wie schon an anderer Stelle dargetan.

Davon verstehen die politisch verantwortlichen und die nachgeordneten Organisierer der Flüchtlingsströme wenig oder nichts. Für sie ist auch der Islam Privatsache der Gläubigen. Sind sind unfähig, die Perspektive derer einzunehmen, für die es weder „Privatsachen“ beim Glauben gibt noch Toleranz gegenüber Häretikern. Toleranz ist ein auch im christlichen Abendland schwer und auf Kosten der Religion erkämpfter Begriff. Noch schwerer erkämpft war die Ansicht von der Gleichwertigkeit der Geschlechter, die es im Katholizismus immer noch nicht gibt. Aber ein unübersehbares Kennzeichen auch des zeitgenössischen Islam ist sein Verharren in der Vergangenheit, besser: in der Zeitlosigkeit. Da ist ihm nur noch die katholische Kirche halbwegs gewachsen trotz Vatikanum II.

Wer einem Muslim Mangel an Toleranz oder religiösen Fanatismus vorwirft, tut ihm objektiv Unrecht, denn was uns als „Fanatismus“ erscheint, ist für ihn glühender Glaube. Wenn sie beim Köpfe abschlagen „Allahu Akbar“ schreien, heucheln sie nicht. Gott ist groß – „und wenn ihr die Ungläubigen trefft, dann herunter mit dem Haupte, bis ihr ein Gemetzel unter ihnen angerichtet habt“ (Sure 47/4) Wahrlich ein Gott des Gemetzels. So wie sein Bruder aus dem Alten Testament. Nur ist ersterer noch sehr lebendig, während der alte Jahve als Gestalt des Mythos hinreichend entglarvt wurde. Ob ein „aufgeklärter Islam“ diese Entlarvung in seinem Bereich auch schafft – es gibt Ansätze – ist die Frage von größter Wichtigkeit. Bis dahin müssen wir wohl oder übel den muslimischen Gläubigen, wenn wir sie schon eingeladen haben, mit dem Verständnis fürs „Andere“ begegnen, das diese aufzubringen nicht in der Lage sind. Bitter vor allem für die Frauen.

 

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