Hass

„Ja: sie hassen uns.“                                                                                                                               „Sie“ – das sind die arabischen Männer; „uns“ – das sind die Frauen nicht nur der arabischen Welt, sondern alle, wie auf dem Kölner Bahnhofsvorplatz zu besichtigen oder zu übersehen (im Sinne von wegsehen) war. Das Statement stammt von der ägyptischen Schriftstellerin Mona Eltahawy (nachgedruckt in FAZ-online am 17.1.). – Wie ist die hierzulande erwartete Antwort auf solch eine dem täglichen Erleben entsprungene Feststellung? Natürlich heißt sie: Es darf keinen „Generalverdacht“ gegen „alle arabischen Männer“ geben.

Wer immer diese Allzweckwaffen von „Islam0phopbie“ und „Generalverdacht“ heute noch hemmungslos gebraucht, weil ihm die Argumente ausgegangen sind und Informationen fehlen, beleidigt die Intelligenz seiner Zuhörer und Leser. Wer immer sich vor solchen Wortgeschossen duckt, weil er fürchtet, als „Rassist“ und „Rechter“, also als „Bösmensch“ in die Ecke gedrängt zu werden, wo Pegida und AfD schon sich auf die Machtübernahme vorbereiten, hat die Grundelemente freier Diskurse in der offenen Gesellschaft nicht verstanden. Wer sich weigert, hinter Oberflächenphänomenen wie Armut, Ausgrenzung, Frustration sowohl nach den kulturellen wie den religiösen Wurzeln der Frauenverachtung zu graben, darf sich nicht wundern, wenn ihm (etwa im DREYZACK) Ignoranz und Wahrheitsverschleierung vorgeworfen werden.

Es sind bezeichnenderweise sich selbst als „links“ verstehenden Gruppen wie Linke, Grüne, SPD, Feministinnen, die sich solcher verbalen Waffen wie den oben angeführten gerne bedienen und ihre Ahnungslosigkeit mit der Geste eines moralischen Naturrechts vor einer verunsicherten Öffentlichkeit ausbreiten. Daß diese Form moralischer Anmaßung seinerzeit die Terror-Aktionen etwa der RAF und verwandter terroristischer Gruppen der 70er Jahre rechtfertigend begleitete, ist denen, die nicht mehr „Gutmenschen“ genannt werden dürfen, nicht bewußt. Geschichtslosigkeit und umfassende Menschenliebe (gegen jeden Haß) nehmen sie für sich als gutes Recht und ein Privileg in Anspruch.

Ob der deutsche Umgang mit den Muslimen „neurotisch“ ist, wie Samuel Schirmbeck im oben erwähnten FAZ-Beitrag vermutet, mag im konkreten Fall als zu allgemein, als unpräzise zurückgewiesen werden. Naheliegender scheint die Solidarität der leitkulturellen Gläubigen, im engeren Sinn: der Abrahamiten (Juden, Christen, Muslime), mit ihren in vieler Hinsicht beleidigten muslimischen Brüdern und Schwestern im Geiste des einen Gottes zu sein, was sich schon damals bei den dänischen Mohammed-Karikaturen zeigte, als sich viele Christen dem Proteststurm anschlossen. Nun war Abraham wie seine erzväterlichen Nachfolger ein „Patriarch“, der Patriarch, und der Monotheismus mit einem männlich/väterlich vorgestellten Gott ist sozusagen die Ideologie des zu sich selbst gekommenen Patriarchats. In allen Heiligen Schriften ist die Minderwertigkeit der Frau festgeschrieben. Das beißt keine Kirchenmaus den Faden ab. Im Christentum, dessen Stifter Jesus jedoch wohl alles andere als ein Patriarch und Frauenverächter war, sondern eher ein Umwerter aller Werte, wurde das weibliche Element Schicht für Schicht von den Kirchenvätern abgetragen und irgendwann durch die aller fleischlichen Weiblichkeit entkleidete Kunstfigur der „Gottesmutter“ ersetzt.

Ist damit die Frage nach dem Ursprung des Hasses wenigsten im Ansatz beantwortet? – Das entschiedene Nein-Rufen läßt sich leicht vorwegnehmen. Gerade ein Organ wie der DREYZACK, selbst offenbar vom Haß befeuert und von den Islam-Hassern der Pegida kaum noch zu unterscheiden, solle sich nicht anmaßen, sachlich und kompetent über das Thema zu schreiben. Man lese nur das Editorial! – Der DREYZACK würde sich selbst über haßerfüllte Stellungnahmen hierzu freuen. Shitstorm gefällig?

 

 

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2 Antworten zu Hass

  1. Nefri schreibt:

    Großartig.

    Gefällt mir

  2. Pingback: Männerprobleme | Dreyzack

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