Frauen, Hölle und Paradies

Auffällig an der Nach-Köln-Debatte ist, daß, je seriöser sich die Medien dünken, um so systematischer sie in ihren Analysen das Frauenbild der islamischen Überlieferung als Thema vermeiden. Anscheinend sind viele unsicher aus Unkenntnis oder rücksichtsvoll aus Ehrfurcht oder beides. Dicke Schwarten wie die von Angelika Neuwirth, Hamed Abdel-Samad, Ibn Warraq oder gar Koran und Hadithe selbst zu lesen, fehlt ihnen die Zeit. Eines der Bücher, die sie aber gelesen haben müßten, um das pikante, weil als rassistisch anrüchige Thema seriös behandeln zu können, stammt aus dem 13. Jahrhundert, als der Islam kulturell noch (bald darauf nicht mehr) in seiner Hochblüte stand. Es heißt „Das Buch der Weisungen für Frauen“, wurde geschrieben von Ibn al-Djauzi aus Bagdad in der Tradition des Koran und der Hadithe (überlieferte Aussprüche Mohammeds)  und wird noch heute vielfach rezipiert und diskutiert.

Überliefert wird u.a. in diesem Buch ein berühmter Ausspruch des Propheten, dem Allah anläßlich seiner Jerusalemer Himmelfahrt gestattete, sowohl Paradies als auch Hölle in Augenschein zu nehmen: „Ich stand am Tor zum Paradies und sah, daß die meisten seiner Bewohner die Armen waren. Ich kam zum Feuer und sah, daß die meisten seiner Bewohner Frauen waren.“ Von einer Frau gefragt, warum dies so sei, antwortete Mohammed: „Weil ihr das Übel vermehrt oder immerzu flucht und dem Gatten gegenüber undankbar seid“ (klassischer Fall von Generalverdacht!). Retten vor der Hölle kann die Frau nur die Ehe, meint der Gesandte Gottes: „Verheiratet eure Frauen eilends, denn die Verzögerung weckt die Begierde in ihnen. Nichts ist besser für eine Frau als ein Ehemann oder das Grab.“ Will sagen: nichts ist schlechter für sie als ein Leben (Leben!) in Freiheit. Schlußendlich eine Quintessenz al-Djauzis: „Die Frau muß wissen, daß sie für den Ehemann wie ein Sklave ist. Sie verfügt nicht über sich selbst noch über seinen Besitz außer mit seiner Erlaubnis. Sein Recht kommt vor ihrem und dem ihrer Verwandten. Sie muß immerzu bereit sein, ihn zu erfreuen mit allen Mitteln der Reinlichkeit.“

Ein solcher Text kann natürlich nur in seinem historischen Kontext gewürdigt, eingeordnet und aus seiner Zeit verstanden werden, aber genau diese historisch-kritische Methode vermeidet die Mehrzahl der islamischen Gelehrten noch heute. Erst recht die einfachen Gläubigen, die den Volks-Islam repräsentieren. Das dem Westen absolut unverständliche und unheimliche Phänomen der Suizid-Bomber läßt sich nur herleiten aus der gradlinigen Deutung etwa der Hadithe von den 72 Jungfrauen, die dem „Märtyrer“ unmittelbar zustünden. Als ich einmal Gelegenheit hatte, mit mehreren jungen Salafisten über den Sinn der großen Zahl der Jungfrauen zu diskutieren, erklärten sie mir triumphierend, Allah statte die Gläubigen mit immerwährender Potenz, einem ewigen Priapismus aus. Auch das ist hadithische Überlieferung. Also, fragte ich, ist denn euer Paradies eine Art „jungfräuliches Bordell“? Dieser Definition stimmten sie unumwunden zu. Sie freuen sich darauf, weil für sie das Leben hier kaum zu ertragen ist. So gehen sie fröhlich in den Tod – und wir wundern uns. Natürlich unter dem Vorbehalt, nicht alle männlichen Muslime generalzuverdächtigen, einer solch monströsen Religionsauffassung zu huldigen.

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4 Antworten zu Frauen, Hölle und Paradies

  1. Gauß schreibt:

    72 ? Oder 72 + 2

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  2. Nefri schreibt:

    Die Suche nach dem Sinn im diesseitigen Leben ist keine Einfache. Schon gar nicht, wenn das Leben in einer von Jahrhundertelangen Kriegen geprägten Umgebung und Kultur beginnt.

    Es ist auch die geistliche Arroganz und natürlich die wirtschaftliche Ausbeutung der dritten Welt und des nahen Ostens gegenüber, die eine Weiterentwicklung verhindern. Wir haben ja den Champagner. Warum dann helfen?

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    • Kassandra schreibt:

      http://www.nzz.ch/feuilleton/willkommensunkultur-1.18678059
      Es kotzt mich langsam an, dass es immer die anderen sein sollen. Ja – der Waffenexport ist Scheiße – aber wer in den Drittstaaten kauft die Dinger von welchem Geld. Und ja, die Näherin in Bangladesh wird schlecht bezahlt – aber wie in der Welt hätte sie sonst überhaupt einen Job?
      Bekanntlich zeigen ja 4 Finger immer wieder auf einen zurück, wenn man mit der Hand auf andere weist. Unsere westliche Welt ist ja dann wohl auch am Geburtenüberschuss in der sogenannten 3. Welt verantwortlich – und der Armut die sich dadurch jährlich potenziert?
      Schaut doch mal mit anderen Augen, da wird man da schon auch entdecken, dass es mit der protestantischen Ethik gerade in Ländern mit fundamental islamistischen Wurzeln nicht weit her ist.
      Mag es vielleicht auch daran liegen, dass die nicht weiter kommen und eben auch keine „westlichen Standards“ erreichen? Gebratene Tauben fliegen einem nun mal nicht so einfach in den Mund.
      Und „geistliche Arroganz“ ist es sicherlich, wenn Empfängnisverhütung unter solchen Umständen immer noch nicht als dringendes Gebot der Stunde „gepredigt“ wird.

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