Nachbeben

Zwischen Köln und Bonn liegt das Städtchen Bornheim am Hang des Vorgebirges. Dort gibt es ein Hallenbad und zwei Flüchtlingsunterkünfte. Das Schwimmbad wurde nun vorübergehend für männliche Flüchtlinge gesperrt, weil sich weibliche Besucher verbal und gestisch attackiert gefühlt und beschwert hatten.

Die Meldung darüber schaffte es in alle Nachrichten, in die Tagesschau und in die  „Kulturzeit“ von 3Sat, was vor drei Wochen undenkbar gewesen wäre. Die üblichen Verdächtigen gingen sofort in Stellung und feuerten mit dem Geschütz „Generalverdacht“. Darunter dürfe man – na was wohl? – alle männlichen Bewohner der Heime nicht stellen. Es ist dieses Verdächtigen wohl auch den attackierten Besucherinnen des Bades nicht zu unterstellen. Sie sind, und wer verübelt ihnen das, allerdings dünnhäutig geworden. Wer so denkt wie die meisten (vor allem Männer) noch vor drei Wochen dachten, meint jetzt offenbar auch noch, die Weiber sollten sich nicht so anstellen, das passiere doch jeden Tag auf der Straße, daß frau angemacht werde. Na und? – Liebe Leute, das Klima hat sich verändert. Was die Frauen jetzt praktizieren, heißt im Fußball Forechecking.  Sie greifen den Gegner schon in der Zone an, wo er einst unbehelligt seine meist harmlosen Macho-Spielchen treiben durfte.

Die Jungs aus den Heimen haben das noch nicht mitgekriegt. Vielen ist die ganze Nach-Silvester-Erregung unverständlich. Es sei doch niemand umgekommen, meinte einer. Man sieht: Die Kulturen trennen nicht nur Räume, sondern vor allem Zeiten. Vor 110 Jahren sah man in den Nordseebädern Frauen in Badeanzügen, die durchaus (bis auf die Haarbedeckung) als „Burkinis“ bezeichnet werden könnten. Als der Bikini, den die alten Römerinnen schon kannten, in den 50ern wieder auf der Bildfläche erschien, trugen in Kabul, Bagdad oder Kairo die Frauen weder Burkas noch Kopftücher, sondern kleideten sich westlich.

Die allmähliche Wiederentdeckung des identitätstiftenden „korrekten“ Islam in der nachkolonialen Zeit ging einher mit zuerst dem Kopftuch als Zugehörigkeitsausweis und mit einer körperverneinenden Kleidung allgemein. Der weibliche Körper wurde aus der Öffentlichkeit verbannt. Was alle drei Monotheismen vereint, die Körperphobie, die Angst vor Sünde (christlich) und Sex (im Islam gibt es da interessante angstfreie Varianten), hat in der islamischen Welt und im ultraorthodoxen Judentum überleben können. Die von der Psychoanalyse im Westen entdeckten Folgen unterdrückter und verdrängter Sexualität materialisierten sich auf der Domplatte. Nichts ist aber auch den meisten gebildeten Muslimen ferner, als in solchen Mustern zu denken.

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3 Antworten zu Nachbeben

  1. Besorgt schreibt:

    Der Punkt ist gekommen an dem ich ernsthaft darüber nachdenken muss, ob ich meine 14jahrige Tochter „frei rumlaufen“ lassen kann.
    Ich WILL das nicht! Ich will nicht über sowas nachdenken müssen.
    Ich habe immer schon die Freizügigkeit und Sicherheit in unserem Land als eines der höchsten Güter überhaupt eingeschätzt. Es ist unerträglich und vollkommen inakzeptabel, dass dieses Gut nun erstmal weg ist. Dieser Preis ist mir zu hoch. Nein! Dieser Preis IST zu hoch. Wer hierher kommt um Schutz zu finden, als Gast, der sollte sich in gewisser Demut üben (wörtlich) und die Gebräuche des Gastgebers würdigen.
    Wir können Schutz bieten, eben weil wir Freizügigkeit haben, weil wir säkular sind, weil Humanitären Werte über religiösen stehen, weil wir uns seit Jahrzehnten um Gleichberechtigung der Geschlechter bemühen, weil wir (auf ungesunde Weise) tolerant sind. Doch jede Toleraz (=Ertragen) muss auf Dauer in eine Akzeptanz münden. Und die Toleranz muss im selben Maße von den Gästen ausgehen.
    Ich habe den Eindruck, dass die Kinder- und Enkelgeneration immer noch versucht die Schuld der Großeltern und Urgroßeltern abzutragen, davon sollten wir uns emanzipieren. Nicht vergessen, nicht abschließen, aber keine falsche Buße für die geerbte Schuld. Das ist nicht der Weg.

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  2. Kassandra schreibt:

    Die #blödeste!!! Verteidigung der Straftaten von Silvester für Merkels Gäste – aus BONN:

    http://www.bonn-stellt-sich-quer.de/

    Wenn die in der Pressemitteilung veröffentliche Zahl von jährlich mehr als 7.300 angezeigten Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen in Deutschland stimmt,
    haben es Merkels testosterongeschwängerte Jungs an Silvester in Deutschland (Hamburg, Bielefeld, Köln, Stuttgart, Freiburg, Frankfurt, Würzburg u.a.) geschafft,
    ca. 10% der gewalttätigen sexuellen Straftaten eines Jahres in einer Nacht zu verüben. Chapeau!

    Nochmal in Zahlen:
    Ca. 1000 Anzeigen an Silvester 2016 zu ca. 7300 pro Normal-Jahr – ist ja ein richtiger Hammer.

    Wirklich keine Frage der Nationalität, der Hintergründe oder der Religion? Da bleiben die Bonner Gutmenschen den Beweis schuldig!
    Wie verblendet muss man sein, um dann gleich noch Gewalt mit anderer Gewalt zu vergleichen.

    Nichts davon, dass das Gastrecht in entwürdigender Weise massenhaft missbraucht wurde, nichts davon, wie abgründig die Distanz zwischen westlichen Menschenrechten/-pflichten und muslimischer Inkulturation sind!
    Alles Geschwafel um Integration hat mit Silvester jeden argumentativen Boden verloren.
    Vom Elend der auf infame Weise Erniedrigten und Verängstigten noch gar nicht gesprochen.

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