Gutmenschen und Bösmenschen

Das Wort „Gutmensch“ ist „Unwort des Jahres 2015“. Weil es angeblich die freiwilligen Flüchtlingshelfer verunglimpft. Die seien nämlich nicht „gut“ im Sinne von blauäugig,  naiv, wirklichkeitsfremd. Nun denn. Was setzen wir aber am besten als Ersatz ein, wenn wir die Helfer nicht verunglimpfen wollen? In Anlehnung an die Diktion des Bundespräsidenten könnten wir von „Hellmenschen“ und „Dunkelmenschen“ sprechen, aber das klingt reichlich rassistisch. Aber wir müssen uns doch auf der Landkarte zwischen Dunkeldeutschland (Frauke Petry, Björn Höcke) und Helldeutschland (Angela Merkel, Katrin Göring-Eckardt) orientieren können, wenn wir etwa nach Leitbildern bzw. Leuchttürmen suchen, um uns nach der Kölner Gewaltorgie von unbestreitbaren Bösmenschen nicht zu verirren.

Nun behauptet ja der DREYZACK, diese Menschen aus dem „Norden Afrikas und dem arabischen Raum“ seien gar nicht „böse“. Sie seien nur moralisch und überhaupt völlig desorientiert. In Plasbergs Talkshow jedoch meinten Renate Künast und der notorische Heribert Prantl am Montag, sie seien „Übeltäter“, die man ausfindig machen und verurteilen sollte. Auf keinen Fall dürfe man den „Rechten“ Munition liefern, indem man „alle Muslime“ unter Generalverdacht stelle. Offenbar verdächtigten sie die CDU-Frau Schröder solcher bösmenschlichen Nähe zur AfD, denn die nahm Wörter wie „Islam“ und „Religion“ in den Mund. Wenigstens blickte Künast immer sehr zornig zu Schröder herüber.

Den Höhepunkt hatte die Veranstaltung gleich zu Beginn mit der Vorstellung eines Opfers vom Bahnhofsvorplatz, die „Frau Meier“ genannt wurde. Frau Meiers Bericht wirkte nachgerade harmlos und am Ende versöhnlich, so daß man den Eindruck nicht unterdrücken konnte, die junge Frau sei so präpariert worden, daß sie „den Rechten“ keine Munition liefern konnte, indem sie die Männer, die sie an Po und Busen „betatscht“ hatten, „pauschal“ etwa als arabische Muslime verurteilte. Sie habe auch jetzt keine andere Haltung zu Flüchtlingen als bisher. Aber Angst habe sie.

Plasberg, offenbar mit der Wirkung des Berichts nicht zufrieden, legte nach, indem er aus dem Polizeibericht, den Innenminister Jäger am Vormittag detailreich vorgelegt hatte, ohne Schwärzungen zitierte und das ganze schamhaft bisher nicht verbalisierte Ausmaß der sog. „Übergriffe“ bloßlegte. Klar war nun allen, daß die „Grapscher“ brutale Vergewaltiger waren, daß die Frauen Todesangst ausgehalten hatten ohne Aussicht auf Hilfe eines Staates, der zwar zur Hilfe verpflichtet ist, diese aber verweigerte. Die Ministerpräsidentin sank sichtlich betroffen in sich zusammen, reagierte aber wie auf ein unvermeidbares Naturereignis.

Die Kanzlerin ihrerseits hatte zuvor an einem anderen Ort in ihrer Das-geht-nun-gar-nicht-Rhetorik verkündet, was in Köln passierte, hätte „nun gar nicht passieren dürfen“.  Sie sollte sich zu ihrem Beitrag bekennen und sich deutlich bei ihren Geschlechtsgenossinnen entschuldigen.

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Gutmenschen und Bösmenschen

  1. Palmström schreibt:

    Nicht sein kann was nicht sein darf

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s